Vom Messestand zum digitalen Raum

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Barcelona

Vom Messestand zum digitalen Raum

von Redaktion

Die analoge Messe ist tot. Es lebe die analoge Messe.

Die Diagnose ist so simpel wie vernichtend: Wer heute noch mit denselben Methoden wie vor dreißig Jahren auf Tourismusmessen wirbt, betreibt nicht nur ein „obsoletes“ Geschäft, wie es der Präsident des Gemeindeverbands Axarquía Costa del Sol, Jorge Martín Pérez, formuliert. Er verschwendet schlichtweg Geld für „geringe Rendite“. Die These ist klar: Das klassische Messestand-Modell hat ausgedient. Die Axarquía, eine Region an der östlichen Costa del Sol, will deshalb einen radikalen Kurswechsel vollziehen. Statt nur vor Ort Flyer zu verteilen, setzt man künftig auf eine dreiphasige Medien- und Influencer-Kampagne, die vor, während und nach der eigentlichen Messe läuft. Das Ziel ist nicht weniger, als den begrenzten physischen Raum einer Messehalle zu sprengen und in die Wohnzimmer, Smartphones und Social-Media-Feeds potenzieller Gäste einzudringen.

Der Influencer als authentischer Türöffner

Kern der neuen Strategie ist die gezielte Einbindung von Reise-Influencern. Diese sollen nicht nur aus dem Messestand heraus live streamen, sondern auch eigenständige Beiträge über die vielfältigen Angebote der Region – von Weingütern über Golfplätze bis zu Höhlen – erstellen. Die Kalkulation dahinter ist ebenso clever wie zynisch: Während der Messebesucher nach Hause geht und den Prospekt vielleicht wegwirft, bleiben die Posts der Influencer monatelang online und generieren weiter Reichweite. Martín Pérez sieht in ihnen das „Bindeglied“ zwischen professionellem Angebot und Endkunde, das durch „Frische und Authentizität“ überzeugt. Eine gewagte These, die die Glaubwürdigkeit gekaufter Meinungsmache voraussetzt. Doch die Verantwortlichen sind überzeugt: Nur so lassen sich neue, vor allem jüngere Zielgruppen erschließen, die man mit dem klassischen Messemodell nie erreicht hätte.

QR-Codes statt Papierberge: Der schleichende Abschied vom Analogen

Parallel zur sozialen Offensive vollzieht sich ein stiller, aber grundlegender Wandel in der Kommunikation vor Ort. Der traditionelle Papierprospekt wird durch QR-Codes ersetzt, die direkt auf das offizielle Tourismusportal oder spezifische Angebote führen. Dies erzwingt eine ständige Aktualität der digitalen Inhalte, wie der für Tourismus zuständige Vizepräsident Jesús Pérez Atencia betont. Eine nachhaltigere und effizientere Lösung, zweifellos. Doch sie offenbart auch eine neue Abhängigkeit: Die Attraktivität des Messestands hängt nun maßgeblich von der Pflege einer zentralen digitalen Infrastruktur ab. Ein schwaches Portal macht den QR-Code wertlos.

Ein Modell mit Vorbildfunktion?

Die Axarquía testete das neue Konzept bereits auf der BTL-Messe in Barcelona und plant seine Umsetzung für die anstehende „Expovacaciones“ in Bilbao. Es ist ein Experiment mit Signalwirkung für andere Regionen. Die entscheidende Frage wird sein, ob der messbare „Impact“ – mehr Follower, mehr Klicks – tatsächlich in mehr Buchungen und einer nachhaltigen Stärkung des Tourismussektors mündet. Oder ob am Ende nur die Reichweite der Influencer maximiert wurde. Die Axarquía wagt den Schritt. Sie setzt darauf, dass im digitalen Zeitalter die größte Präsenz nicht der größte Stand, sondern der clevereste Algorithmus ist.

Quellen: Angaben des Gemeindeverbands Axarquía Costa del Sol und des für Tourismus zuständigen Vizepräsidenten Jesús Pérez Atencia, wie auf der Website Axarquía Plus berichtet.

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