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Geld hilft kurz, Stabilität hilft lang
Finanzielle Anreize haben nur kurze Wirkung
Die Geburtenrate in Spanien liegt bei etwa 1,1 Kindern pro Frau – deutlich unter dem Wert, der für den Generationenersatz notwendig ist. Eine aktuelle Studie des Observatorio Social der Fundación "la Caixa" untersucht, welche politischen Maßnahmen wirklich helfen, diese Zahl zu erhöhen. Die Kernaussage der Forschung ist eindeutig: Direkte Geldzuschüsse, wie der historische "Baby-Check" von 2007, führen zwar zu einem kurzfristigen Anstieg der Geburten, aber ihr langfristiger Effekt ist begrenzt.
Der "Baby-Check" und seine langfristige Bilanz
Die Studie analysierte konkret die Wirkung des 2007 eingeführten "Baby-Checks" von 2.500 Euro, der damals etwa das Doppelte des monatlichen Bruttomedianverdienstes einer Frau ausmachte. In den neun Monaten nach der Einführung stieg die Zahl der Geburten um etwa 6%. Dieser Effekt verpuffte jedoch auf lange Sicht. Bei einer Simulation über den gesamten Lebenszyklus zeigt sich, dass der Gesamteffekt auf die Geburtenrate nur etwa 3% beträgt. Die Forscher der Goethe Universität Frankfurt und der Universitat de Barcelona kommen daher zu dem Schluss, dass solche Anreize vor allem Geburten verfrühen, nicht aber die Gesamtzahl der Kinder erhöhen.
Die Kluft zwischen Wunsch und Realität
Ein weiteres zentrales Ergebnis der Studie ist die Identifikation einer signifikanten "Fertilitätsgap". Frauen in Spanien wünschen sich im Durchschnitt mehr Kinder, als sie tatsächlich haben. Die Hindernisse sind strukturell: Probleme bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die beruflichen Kosten, die mit der Mutterschaft verbunden sind. Die Daten sind eindeutig: Zehn Jahre nach der ersten Geburt haben Frauen ein Einkommen, das rund 33,4% unter dem Durchschnitt liegt, und eine 37,5% höhere Wahrscheinlichkeit, in Teilzeit zu arbeiten.
Das Dilemma der Vereinbarkeitspolitik
Ein zweiter, ebenfalls vorgestellter Forschungsbericht beleuchtet die Rolle der Unternehmen. Maßnahmen wie längere Elternzeiten oder mehr Leistungen können die Geburtenrate zwar positiv beeinflussen, führen jedoch oft zu einer geringeren Arbeitsmarktpartizipation und niedrigeren lebenslangen Einkommen von Frauen. Die Studie identifiziert einen "Trade-off": Politiken, die mehr Stabilität bieten, könnten die Geburtenrate erhöhen, aber sie können auch kontraproduktiv sein, wenn Unternehmen aufgrund der antizipierten höheren Kosten weniger Frauen einstellen oder befristete Verträge nicht in unbefristete umwandeln. Ein Beispiel ist die Reform von 1999, die das Recht auf Arbeitszeitverkürzung einführte. Sie erhöhte zwar die Nutzung dieser Option bei Müttern mit Festanstellung, führte aber auch zu einer "negativen Unternehmerreaktion" bei der Umwandlung befristeter Frauenarbeitsverträge.
Der Schlüssel liegt im strukturellen Umfeld
Die finale Empfehlung der Forscher geht daher weit über kurzfristige Geldtransfers hinaus. Es muss ein Umfeld geschaffen werden, in dem Kinderhaben mit einer nachhaltigen beruflichen Karriere über den gesamten Lebenszyklus vereinbar ist. Politik muss sowohl die Entscheidungen der Frauen (die ihre Mutterrolle nicht opfern wollen) als auch die der Unternehmen (die Frauen nicht benachteiligen sollen) berücksichtigen. Nur so, so die Studie, kann die niedrige Geburtenrate langfristig und nachhaltig angegangen werden.
Die Analysen basieren auf Studien des Observatorio Social der Fundación "la Caixa", unter Leitung der Universitat de Barcelona.
Quelle: 20minutos.es