
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Spanien brennt: 50.000 Hektar in Flammen
Eine Bilanz des Versagens
Wieder einmal brennt Spanien. Und wieder einmal tun wir so, als sei dies ein unvermeidlicher Akt der Natur. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: 50.384 Hektar Wald und Feld sind allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 in Spanien verbrannt – ein Anstieg von 141 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2025. Das sind nicht bloß Wetterkapriolen, das ist politisches und gesellschaftliches Versagen auf ganzer Linie.
Wie das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus dokumentiert, entfallen fast 40 Prozent aller in der EU abgebrannten Flächen auf Spanien. 300 Brände – mehr als in jedem anderen Mitgliedsstaat. Nur Frankreich kommt auf 275. Wir führen die traurige Hitliste an, und das nicht zum ersten Mal. Bereits 2025 lag Spanien mit 393.079 Hektar bei 38 Prozent des EU-Gesamtschadens.
Katalonien: Der nächste Brandherd
Während EU-Bürokraten in Brüssel 120,55 Millionen Euro aus dem Solidaritätsfonds bewilligen – ein Tropfen auf den heißen Stein –, kämpfen die Einsatzkräfte in Katalonien gegen ein Inferno nach dem anderen. In Sentmenat bei Barcelona haben die Flammen 152 Hektar erfasst, die Feuerwehr ist „tensionado“ – angespannt, um es milde auszudrücken. Das Gespenst von Sant Llorenç Savall 2003, als fünf Menschen starben, geht wieder um. In Anoia brennen 500 Hektar, Häuser stehen in Flammen, ein Gewerbegebiet wird beschädigt. Und aus Tarragona, Lleida, Girona kommen neue Meldungen.
Die konsellera Núria Parlon spricht von „günstiger Entwicklung“. Ich nenne das Schönrederei. Solange wir jedes Jahr aufs Neue von „historischen Hitzewellen“ überrascht werden, solange die Forstwirtschaft vernachlässigt wird und Präventionsmaßnahmen versanden, wird sich nichts ändern.
Die EU zahlt – und dann?
Gut, die EU-Kommission hat 144,1 Millionen Euro freigegeben, davon 120 Millionen für Spanien. Das klingt nach viel, ist aber gemessen an den realen Kosten ein Almosen. Der wahre Preis sind zerstörte Lebensräume, evakuierte Dörfer, traumatisierte Menschen. Die EU-Hilfe kommt stets hinterher, nie voraus. Warum? Weil wir es vorziehen, Löcher zu stopfen, statt Dämme zu bauen.
Die Lage in Kastilien-León, Asturien und Andalusien zeigt dasselbe Muster: Ein Mangel an koordinierten Strategien, an Investitionen in Brandschneisen, an einer Landwirtschaft, die Wälder pflegt statt sie preiszugeben. Der Brand in Grazalema ist gelöscht, aber der nächste kommt bestimmt.
Spanien brennt – nicht wegen der Sonne, sondern weil wir es brennen lassen. Solange die Politik ihre Verantwortung auf das Wetter schiebt, wird sich nichts ändern. Die 50.000 Hektar sind ein Weckruf. Nur hört ihn niemand.
Quellen: Copernicus/EFFIS – European Forest Fire Information System, Bericht 20 Minutos vom Juli 2026.
Quelle: 20minutos.es