Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Gerónimo Castillo: "Ich fühle mich wie ein Versager"
Das Gefühl von Ohnmacht und Scheitern
Gerónimo Castillo beschreibt in einem bewegenden Video seine Gefühle nach dem Tod seiner Tochter Noelia. Er habe sich “impotent und gescheitert” gefühlt, weil er ihren Wunsch nach einem assistierten Suizid nicht habe verhindern können. Die 25-Jährige hatte ihre Euthanasie am 26. März in einer Sozialeinrichtung in Sant Pere de Ribes (Provinz Barcelona) erhalten.
Castillos öffentliche Klage, die von der Vereinigung “Abogados Cristianos” veröffentlicht wurde, fällt in eine politisch sensible Zeit. Wie die Organisation berichtet, unterstützte sie den Vater in den letzten zwei Jahren rechtlich. Am gleichen Tag debattierte das spanische Abgeordnetenhaus eine Gesetzesreform, die Gerichtsverfahren in Euthanasie-Fällen beschleunigen soll. Der Vorstoß wurde mit knapper Mehrheit zur weiteren Beratung angenommen, stieß aber auf den Widerstand der konservativen und rechten Parteien.
Ein zerbrochenes Verhältnis
Der Prozess spaltete die Familie. Castillo schildert, wie sich die Beziehung zu seiner Tochter nach dem Beginn seiner juristischen Schritte zum Stopp der Euthanasie drastisch verschlechterte. “Sobald ich mit der Klage begann, sagte sie: ‘Mein Vater, abgeurteilt’”, erinnert er sich. Der tägliche Besuch war danach nicht mehr möglich, der Kontakt brach vollständig ab. Selbst eine letzte Verabschiedung blieb ihm verwehrt: “Ich konnte sie nicht einmal im Sarg sehen”, sagt er im Video.
Noelia Castillo litt unter einer 74-prozentigen Behinderung als Folge eines Suizidversuchs im Jahr 2022. Dieser war die Konsequenz aus einer zuvor erlittenen Gruppenvergewaltigung. In seiner Aussage betont der Vater, er hätte seine Tochter weiterhin bis zu seinem eigenen Lebensende gepflegt, wenn sie sich für das Leben entschieden hätte.
Die politische Dimension des persönlichen Dramas
Während das persönliche Schicksal des Vaters Trauer und Kontroversen auslöst, zeigt die parallele Parlamentsdebatte, wie emotional und politisch aufgeladen das Thema “Sterbehilfe” in Spanien bleibt. Die vorgeschlagene Reform zielt darauf ab, die Fristen für juristische Berufungen gegen Entscheidungen der Euthanasie-Kommissionen zu verkürzen.
Castillo richtet in seiner Botschaft auch einen Vorwurf an diejenigen, die den Weg seiner Tochter unterstützten: “Abogados Cristianos hat gegen all diese Leute gewonnen, die nichts für sie getan haben.” Seine Aussage wirft grundsätzliche Fragen auf: Wo liegen die Grenzen des Selbstbestimmungsrechts eines schwer leidenden Menschen? Und welche Rolle spielen Angehörige in einem solch tiefgreifenden Entscheidungsprozess? Die Diskussion ist sowohl im Privaten als auch im Politischen noch lange nicht beendet.
Quelle: 20minutos.es