
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Die psychischen Kosten der Mietkrise
Die Faktenlage: Wohnkosten und psychische Belastung korrelieren deutlich
Eine gemeinsame Studie des Consejo de la Juventud de España (CJE), Fad Juventud und Oxfam Intermón liefert empirische Belege für einen lange vermuteten Zusammenhang. Die Untersuchung "Habitar la incertidumbre: vivienda, juventud y malestar estructural" basiert auf 4.100 Befragungen aus dem März und April des vergangenen Jahres. Ein zentrales Ergebnis: 42 Prozent der 25- bis 34-Jährigen, die von der Wohnungskrise betroffen sind, schätzen ihren eigenen psychischen Gesundheitszustand als "mittelmäßig" oder "schlecht" ein.
Die Daten zeigen eine klare Abhängigkeit. Im letzten Jahr litt laut der Studie fast zwei Drittel (63,5 %) der jungen Bevölkerung mit schwerer materieller Entbehrung unter psychologischen Problemen. Bei jenen ohne finanzielle Schwierigkeiten lag dieser Wert bei 52,4 Prozent. Die Forscher stellten zudem fest, dass sich die Häufigkeit einer als schlecht eingestuften mentalen Gesundheit unter jungen Erwachsenen verdoppelt, wenn sie mehr als die Hälfte ihres Einkommens für die Wohnung aufwenden müssen – im Vergleich zu denen, die weniger als 30 Prozent dafür ausgeben.
Die "Generation Mieter": Finanzielle Realität und strukturelle Unsicherheit
Die anhaltende Verteuerung des Mietmarktes und die Schwierigkeiten beim Eigentumserwerb haben, wie der Bericht konstatiert, das Wohnmodell der jungen Generation fundamental verändert. Das Mietverhältnis dominiert und definiert die heutige Jugend als eine "Generation der Mieter". Im Jahr 2025 lebte bereits die Hälfte der ausgezogenen jungen Menschen zur Miete.
Die wirtschaftliche Belastung ist dabei chronisch hoch. Durchschnittlich verwenden junge Menschen zwischen 40 und 50 Prozent ihres Einkommens für die Wohnung, deutlich über der empfohlenen Schwelle von 30 Prozent. Besonders extrem ist die Situation für junge Single-Haushalte: Seit 2017 übersteigt deren Mietbelastung 80 Prozent des Gehalts. Diese finanzielle Last hat weitreichende Folgen. Nach Abzug der Miete klafft eine Lücke von rund 20 Prozentpunkten beim Risiko, in Armut abzurutschen. Zudem teilen 87 Prozent der ausgezogenen Jugendlichen ihre Wohnung, vier von zehn tun dies ausschließlich aus Kostengründen.
Die strukturellen Probleme spiegeln sich in den Emanzipationszahlen wider. Nur 15 Prozent der unter 30-Jährigen leben außerhalb des Elternhauses – ein historischer Tiefstand.
Der Teufelskreis: Kein Geld für Miete, kein Geld für Therapie
Die Untersuchung identifiziert einen folgenschweren Kreislauf. Geringe finanzielle Mittel sind mit einer schlechteren mentalen Gesundheit assoziiert. Diese wiederum erschwert es, Geld für psychologische Hilfe anzusparen. Der fehlende Zugang zur Behandlung verschlimmert dann die subjektive Wahrnehmung der emotionalen Not. Die Zahlen belegen diese Dynamik: Bei den 25- bis 34-Jährigen stieg der Anteil derer mit schlechter mentaler Gesundheit von 7 Prozent auf 19,3 Prozent an, wenn sie im vergangenen Jahr aus finanziellen Gründen auf psychologische Unterstützung verzichten mussten.
Insgesamt gibt mehr als jede dritte junge Person (34,4 %) im Alter von 16 bis 24 Jahren an, bei einer aus Geldmangel abgesagten Therapie einen als schlecht wahrgenommenen psychischen Gesundheitszustand zu haben. Unter denen, die auf solche Hilfe verzichten mussten, sind 62,5 Prozent Frauen.
Experten fordern systemische Lösungen statt individueller Therapieansätze
Die Verantwortlichen der Studie betonen die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels in der Debatte. "Oft wird psychische Gesundheit als individuelle Frage behandelt, wenn die Daten doch eindeutig das Gewicht der Lebensumstände zeigen", sagt Beatriz Martín Padura, Generaldirektorin von Fad Juventud. "Prekarität, Unsicherheit, fehlende Autonomie oder das Gefühl, dass die Zukunft in weite Ferne rückt, hinterlassen tiefe Spuren im emotionalen Wohlbefinden junger Menschen."
Andrea González Henry, Präsidentin des CJE, bringt es auf den Punkt: "Die Jugend setzt nicht nur etwas Materielles aufs Spiel, unser Leben und unsere Gesundheit hängen davon ab, Zugang zu einer würdigen Wohnung zu bekommen. Die Lösungen können nicht nur im Gesundheitswesen liegen. Wir können nicht mit mehr Psychologen auf ein Problem antworten, dessen Wurzel in Mieten liegt, die unsere Ersparnisse auffressen, in Gehältern, die nicht reichen, und in einer Generation, die Unsicherheit als Lebensform normalisiert hat."
Ihr Fazit, das auch die Kernforderung des Berichts darstellt: Es bedürfe gleichzeitiger Maßnahmen – mehr und wirksamere Wohnungspolitik zur Umsetzung des verfassungsmäßigen Rechts auf Wohnen, verbesserter sozialer Schutz für Jugendliche und zugleich mehr sowie besserer Ressourcen für die psychische Gesundheit.
Die zitierten Daten und Aussagen stammen aus dem gemeinsamen Forschungsbericht "Habitar la incertidumbre: vivienda, juventud y malestar estructural" des Consejo de la Juventud de España, Fad Juventud und Oxfam Intermón, veröffentlicht im Mai 2025.
Quelle: 20minutos.es