Urda ringt mit den Folgen des Zugunglücks

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Urda

Urda ringt mit den Folgen des Zugunglücks

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Zwischen Bergungsarbeiten und Fassungslosigkeit

Die Stille, die über Urda liegt, ist trügerisch. Nur einen Tag nach dem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge, bei dem mindestens 69 Menschen ums Leben kamen, gleicht die Gemeinde in der Nähe von Toledo einem Ort im Ausnahmezustand. Während schwere Krangeräte über den verbogenen Waggons arbeiten und Drohnen die Unglücksstelle überfliegen, versuchen die Bewohner, das Ausmaß der Katastrophe zu begreifen, die ihr beschauliches Dorf über Nacht in die Schlagzeilen katapultiert hat.

Die Nacht nach dem Unglück verbrachten die Rettungskräfte mit der Suche nach Vermissten. Nun hat sich der Fokus verlagert, wie eine Sprecherin der Guardia Civil gegenüber der Presse erläuterte. „In der Nacht stand die Suche nach vermissten Personen im Vordergrund, heute konzentrieren wir uns auf die Suche nach biologischem Material mit spezialisierten Hunden“, wird die Beamtin vom Nachrichtenportal 20minutos zitiert. Die Identifizierung der Toten gestaltet sich als äußerst komplex. Die Behörden haben daher in Toledo, Córdoba, Madrid und Sevilla Anlaufstellen für Angehörige eingerichtet, um per DNA-Probe die Zuordnung zu beschleunigen.

Wenn der Helm abgenommen wird

Abseits der technischen Bergungsarbeiten spielt sich eine zweite, weniger sichtbare Tragödie ab: die seelische Belastung derjenigen, die tagtäglich mit den Bildern des Grauens konfrontiert sind. Teresa Marín, Psychologin und Ausbilderin für Einsatzkräfte, betreut in einer Zeltstadt des Katastrophenschutzes die Helfer, die im Schichtdienst erschöpft und teils unter Schock stehen. Sie beschreibt die emotionale Bürde, die der professionelle Habitus der Rettungskräfte mit sich bringt. „Das Gewicht der Uniform führt dazu, dass der Schmerz nicht beachtet wird, weil das Gehirn uns schützt. Aber wenn sie die Uniform ablegen, brauchen sie einen mentalen und emotionalen Neustart, denn kein Mensch ist auf eine Tragödie dieser Größenordnung vorbereitet“, erläutert die Psychologin.

Es gehe darum, den Einsatzkräften Werkzeuge an die Hand zu geben, um die schrecklichen Bilder zu verarbeiten, die sich in ihre Erinnerungen gebrannt hätten. Die Männer und Frauen hätten die ganze Nacht ohne Pause gearbeitet. Die psychologische Nachsorge soll verhindern, dass Wut, Schmerz und das Gefühl der Ohnmacht mit nach Hause genommen werden.

Ein Dorf zwischen Solidarität und Fassungslosigkeit

Die rund 2.000 Einwohner zählende Ortschaft, die bislang vor allem für ihre Wallfahrtskirche bekannt war, erlebt derzeit eine Welle der Hilfsbereitschaft. Schon in den ersten Minuten nach dem Unglück halfen Anwohner, Verletzte zu versorgen und in umliegende Krankenhäuser zu bringen. Lokale Gastronomen und Geschäfte stellten spontan Wasser, Lebensmittel und Hygieneprodukte für die Rettungskräfte und die wartenden Angehörigen bereit.

In den zwei Notunterkünften der Gemeinde fanden Leichtverletzte und Familien von Vermissten Unterschlupf. Eine Anwohnerin, die seit Jahrzehnten in Urda lebt, schilderte mit bewegter Stimme, wie sie von dem Unglück durch das Aufheulen der Rettungshubschrauber erfahren habe. Der Ort sei wie gelähmt, die Ereignisse des gestrigen Tages wirken noch immer nach. Ein Ereignis, das die Gemeinde nicht nur erschüttert, sondern auch dauerhaft verändert zurücklässt.

Die Ermittlungen zur Unglücksursache laufen bereits. Es ist nicht der erste schwere Zwischenfall auf dieser Schienenstrecke: Erst im Vorjahr kamen bei einem Unfall nahe Adamuz in der gleichen Region etwa 50 Menschen ums Leben. Die Aufarbeitung der jüngsten Katastrophe wird Urda und die betroffenen Familien noch lange begleiten.


Quelle: 20minutos.es

Mehr aus Urda & Toledo & Kastilien-La Mancha