
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Minister trotzt Rücktrittsforderungen nach Zugkatastrophe
Eskalation nach dem Unglück
Die politische Aufarbeitung des schweren Zugunglücks in der Gemeinde Urda gewinnt an Fahrt. Verkehrsminister Óscar Puente hat angekündigt, am 3. November vor die Diputación Permanente des Abgeordnetenhauses zu treten. Die Sondersitzung erfolgt auf sein eigenes Ersuchen, wie Regierungskreise bestätigten. Zuvor hatten mehrere parlamentarische Gruppierungen eine Befragung des Ministers gefordert.
Druck von mehreren Seiten
Die Forderungen nach Konsequenzen werden lauter. Die Regierungspartner Sumar und ERC sowie die Linkspartei Podemos verlangten bereits am Donnerstag eine umgehende Unterrichtung des Parlaments. Zeitgleich mehren sich Stimmen aus Gewerkschaftskreisen und der Opposition, die den Rücktritt Puentes fordern. Diese Entwicklung kommentierte der Minister selbst mit dem Hinweis, er sei mit der Aufklärung des Geschehenen befasst und nicht mit seiner persönlichen Situation.
Bilanz der Katastrophe
Bei der Kollision zweier Züge am Mittwoch kamen nach aktuellem Stand mindestens 74 Menschen ums Leben. Mehr als 100 weitere Personen erlitten Verletzungen. Die Ermittlungen zur Unglücksursache dauern an. Erste Erkenntnisse deuten auf ein Zusammenspiel von technischem Versagen und menschlichem Fehlverhalten hin. So soll ein Signalausfall den Betrieb auf dem betroffenen Streckenabschnitt beeinträchtigt haben, während ein Mitarbeiter des Infrastrukturbetreibers die Weiterfahrt des später verunglückten Zuges veranlasst haben soll.
Rückendeckung aus der Moncloa
Regierungschef Pedro Sánchez stellt sich hinter seinen Minister. In seinem Umfeld wird die Auffassung vertreten, die Tragödie stehe nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Arbeit Puentes. Eine Ablösung des Ministers gilt damit als ausgeschlossen. Ungeachtet dessen hat die Partei Vox eine Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung gegen Puente eingereicht. Die konservative Opposition geht noch einen Schritt weiter und verlangt, dass auch Sánchez persönlich vor dem Parlament Rede und Antwort steht. Sie sieht die Verantwortung nicht allein beim Verkehrsministerium.
Wie die Zeitung 20 Minutos berichtet, plant Puente zudem eine Pressekonferenz vor seiner parlamentarischen Befragung, um erste Details aus ministerieller Sicht darzulegen.
Quelle: 20minutos.es