
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
57 Tote: Warnung vor LZB-System lag vor
Ein Signal, das keiner hören wollte
Drei Wochen. Mehr Zeit hatte die Politik nicht gebraucht, um ein Desaster zu verhindern, das nun mindestens 69 Menschen das Leben gekostet hat. Als Fabrizio Favara, Chef des privaten Bahnbetreibers Iryo, am 5. Oktober vor der Senatskommission zur Eisenbahnsicherheit aussagte, warnte er unmissverständlich: Das veraltete LZB-Signalsystem auf der Strecke Madrid–Andalusien sei zwar "sicher", aber ein Fallstrick. Fällt die Verbindung zwischen Zug und Strecke aus, stehe der Zug – und die Wiederverbindung dauere "ziemlich lange". Ein Hinweis, der im Protokoll nachzulesen ist und nun wie ein Menetekel wirkt.
Als die Technik zur tödlichen Falle wurde
Was am Unglücksmorgen bei Urda geschah, folgt exakt diesem Szenario. Ein Fehler im LZB-System stoppte sechs Züge. Einer davon – ein Renfe-AVE – erhielt vom Stellwerk die Freigabe und beschleunigte auf Regelgeschwindigkeit. Der andere, ein Iryo-Zug, blieb regungslos auf den Schienen stehen: Die Maschinistin hatte Adif gemeldet, dass sich das System nicht reinitialisieren ließ. Der Aufprall war unvermeidbar. Warum die Leitstelle den einen Zug auf eine Strecke schickte, auf der ein anderer noch blockiert war, bleibt eine Frage, die alle Beteiligten beantworten müssen.
Systemschwäche war dokumentiert
Favara hatte in derselben Anhörung klargestellt, dass es auf der Linie Madrid–Sevilla kein anderes so häufiges Problem gebe wie diese LZB-Störungen. Die Mitarbeiter von Iryo hätten Adif wiederholt über die Schwierigkeiten informiert – und die Dienstvorschrift verpflichtet das Zugpersonal sogar ausdrücklich zu solchen Meldungen. Man tat also das, was die Regeln verlangen. Aber es half nichts: Das warnende Signal verpuffte im bürokratischen Alltag.
Dabei geht es nicht um eine einmalige Panne, sondern um ein strukturelles Problem. LZB ist ein Relikt aus den 1960er-Jahren – zuverlässig, wenn es funktioniert, aber anfällig, wenn es scheitert. Die Ankündigung von Adif, das System zu modernisieren, klingt nach dieser Katastrophe wie Hohn. Der Senatsausschuss, der bereits nach früheren Unglücken eingesetzt wurde, steht nun vor einem Scherbenhaufen. Die Frage ist nicht mehr, ob Spanien ein Sicherheitsproblem hat, sondern wie viele Warnungen noch ignoriert werden müssen, bevor gehandelt wird.
Die Informationen zu den Senatsanhörungen und den Abläufen am Unglückstag basieren auf dem Bericht von Europa Press sowie dem Diario de Sesiones des spanischen Senats.
Quelle: europapress.es