Die Wunden von Valencia sind nicht verheilt

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Valencia

Die Wunden von Valencia sind nicht verheilt

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Ein stilles Echo der Katastrophe

Der 29. Oktober ist in den betroffenen Gemeinden Valencias kein Datum, sondern ein Zustand. Zwei Jahre nach der Flutkatastrophe, die über 220 Menschen das Leben kostete, haben die Städte und Dörfer in der Region innegehalten. Doch wer jetzt Harmonie erwartet, liegt falsch: Zwischen den Kerzen, Blumen und schmutzigen Senyeras schwingt nicht nur Trauer mit, sondern auch eine gehörige Portion Wut – über das Versagen der Behörden, die Langsamkeit des Wiederaufbaus und die Verklärung einer Solidarität, die in den Katastrophenwochen so heldenhaft war wie die Politik danach erbärmlich.

Die schmutzige Fahne als politisches Symbol

Paterna setzt ein bewusstes Zeichen: Dort wird eine von Schlamm und Schutt gezeichnete Senyera dauerhaft ausgestellt – jene Fahne, die der Senator Juan Antonio Sagredo nach Madrid trug, um das "Grito del pueblo valenciano" im Senat zu platzieren. Ein Symbol, das man nicht wegwischen kann. Es erinnert nicht nur an die Toten, sondern auch an die schier endlosen Tage, in denen die Bewohner ohne Hilfe der Zentralregierung Schaufeln in die Hand nehmen mussten. Diese Ausstellung im örtlichen Casino ist mehr als ein museales Relikt – sie ist ein stiller Vorwurf an alle, die damals weggeschaut haben.

Paiporta, die Stadt der 56 Toten, bleibt skeptisch

Nirgendwo ist die Reserviertheit gegenüber staatlichen Verheißungen größer als in Paiporta. Mit 56 Todesopfern trug die Gemeinde die Hauptlast der Tragödie. Der Gedenkakt, organisiert gemeinsam mit der Vereinigung Revivimos, fand an der Skulptur bei Villa Amparo statt – jenem Ort, der zugleich Mahnmal und Anklage ist. Die Botschaft an die Familien: "Wir halten die Erinnerung wach." Doch die Menschen vor Ort wissen: Gedenkminuten sind billig, Reparaturen an Straßen und Häusern sind es nicht.

Zwischen Lamento und Lokalpatriotismus

Die Reden in Torrent und Catarroja waren erwartbar emotional. Die Bürgermeisterin von Catarroja, Lorena Silvent, versprach, "ohne die Menschen zu vergessen, die nicht mehr da sind", voranzugehen. Doch während die Politiker Worte fanden, sortierten die Klimaforscher bereits die nächsten Extremwetterlagen. Nur wenige Tage vor dem Gedenken hatte die als "DANA Adam" bezeichnete Unwetterfront erneut in Valencia und Alicante gewütet – als hätte die Natur den Beweis liefern wollen, dass diese Katastrophen keine Ausnahme, sondern das neue Normal sind.

In Chiva, gemeinhin als "Zona Cero" der Flut bezeichnet, kommt derzeit ein weiterer Aspekt hinzu: Neid. Während das Dorf mit stillen Botschaften in den sozialen Netzwerken gedenkt, diskutieren die Bewohner hinter vorgehaltener Hand über die ungleiche Verteilung der Hilfsgelder – ein Thema, das aus Anstand beim offiziellen Gedenken ausgespart bleibt, aber politischen Zündstoff liefert.

Der Aufruf, der keiner hören will

Der Bürgermeister von Albal, José Miguel Ferris, brachte es auf den Punkt: Der Wiederaufbau müsse beschleunigt werden, "über jede politische Farbe hinweg". Ein frommer Wunsch, der von der Realität in der Valencianischen Gemeinschaft überholt wird – wo parteipolitisches Kalkül und regionale Machtkämpfe die dringend nötigen Entscheidungen zur Klimaanpassung häufig genug blockieren. Die Botschaft der zwei Gedenkminuten ist klar: Die Erinnerung an die Toten steht über den Tagesgeschäften. Die Frage ist nur, ob die Politiker das auch nach der nächsten Hitzewelle noch verstehen.

Die Kulisse beim Gedenken in Utiel war dabei die eindringlichste: Sechs Minuten Schweigen – eine für jedes Opfer des Ortes, der bei der Katastrophe sechs Einwohner verlor. Ein schmales Zeitfenster für ein unermessliches Leid, das die betroffenen Dörfer noch Generationen begleiten wird. Und ein Kontrastprogramm zu einem Staat, der im Kampf gegen die Klimafolgen lieber über Kostenschätzungen als über Konsequenzen spricht.

Unter Berufung auf Informationen von Europa Press und lokalen Nachrichtenagenturen.


Quelle: europapress.es

Mehr aus Valencia & Provinz Valencia & Spanien