
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Zwei Jahre nach der DANA: Wohnungssuche wird zur Illusion
Die zweite Katastrophe: Was nach dem Wasser kommt
Es ist ein stilles Drama, das sich in den Straßen von Aldaia, Paiporta und La Torre abspielt. Während die Schäden der DANA vom Oktober 2024 langsam verschwinden, hat eine neue Welle die betroffenen Viertel erfasst – und sie ist mindestens genauso brutal: explodierende Mietpreise, schrumpfendes Angebot und Vermieter, die aus der Not der Flutopfer Kapital schlagen.
Marietta, eine Anwohnerin aus Aldaia, steht exemplarisch für diese Entwicklung. Ihr Haus überstand die Flut – doch die Narben sind geblieben. Vierzig Zentimeter Schlamm lagern noch immer unter dem Fundament, und bei jedem Regen kehrt die Angst zurück. Sie will weg, ein kleineres Haus kaufen, irgendwo in der Nähe. Doch was sie auf dem Markt findet, nennt sie schlicht „unmöglich“. Und sie erinnert sich an die Tage unmittelbar nach der Katastrophe, als Immobilienmakler durch die Straßen zogen und den Geschädigten für ihre Häuser „lächerliche Preise“ boten. Die heutige Situation ist die logische Fortsetzung dieser Unverfrorenheit.
Verdrängung als neues Normal
Doch es ist nicht nur ein Problem der Eigentümer. Eunice Espinoza lebt mit ihrer Familie in einer Übergangswohnung der Caritas, nachdem ihre Mietwohnung in La Torre zerstört wurde. Ihre Suche nach einem neuen Zuhause gleicht einem Hindernislauf: Die Preise sind zu hoch, die geforderten Gehälter unrealistisch. Und wer Kinder hat, wird oft gar nicht erst vorgelassen. Der Gestank der Diskriminierung zieht sich durch viele Besichtigungstermine – und die Verzweiflung ist in ihren Worten unüberhörbar.
Noch drastischer ist der Fall von T.E.D. aus Paiporta. Siebenundfünfzig Jahre alt, 35 Jahre im Ort verwurzelt, 19-jähriger Sohn – und trotzdem steht sie vor dem Nichts. Ihr Vermieter braucht die Wohnung zurück, und die Alternativen, die ihr angeboten werden, kosten mindestens 1.000 Euro kalt. Das Doppelte dessen, was sie je zahlte. Als sie sich nach einer Wohnung erkundigt, fragt ein Makler unverblümt, ob sie Beamtin sei. Ein Arbeiterleben zählt offenbar nichts mehr.
Parallel dazu verliert ihr Sohn seinen Ausbildungsplatz: Die öffentliche Anbindung von Xirivella nach Paiporta macht die Kombination aus Studium und Job zur logistischen Unmöglichkeit. Ein junger Mann, der durch die Flut sein Zuhause verlor, verliert nun auch noch seine Zukunftsperspektive. Das Rote Kreuz springt ein – doch das ist Symptombekämpfung, keine Lösung.
Ein strukturelles Versagen – und keine Partei will hinsehen
Der eigentliche Skandal aber liegt in der politischen Bewertung. Fernando Cos-Gayón, Direktor der Cátedra Observatorio de la Vivienda an der Polytechnischen Universität Valencia, bringt es auf den Punkt: Das Wohnungsproblem in der Region sei „so gewaltig“, dass selbst die DANA nicht einmal einen statistischen Ausschlag verursacht habe. Die Preise steigen – aber sie steigen überall, mit oder ohne Flutkatastrophe.
Diese Aussage ist ein Offenbarungseid. Sie bedeutet: Die Politik hat die Krise längst abgeschrieben. Was in den betroffenen Vierteln passiert, ist keine Anomalie, sondern die Normalität eines Marktes, der sich von den Bedürfnissen der Menschen abgekoppelt hat. Während Neubauten in l'Horta Sud mit 3.210 Euro pro Quadratmeter gehandelt werden – ein Plus von 27 Prozent innerhalb eines Jahres –, fällt das Angebot an Mietwohnungen um fast ein Viertel.
Wer jetzt noch glaubt, der Markt werde sich selbst regulieren, sollte nach Aldaia fahren. Dort, wo die DANA Häuser zerstörte, werden inzwischen ehemalige Gewerbeflächen zu Wohnungen umgebaut – zu „skandalösen Preisen“, wie Anwohner berichten. Und die älteren Bewohner der Erdgeschosswohnungen an den Bachläufen? Ihre Türen bleiben geschlossen. Sie haben aufgegeben.
Die Frage ist nicht, ob die Preise fallen werden. Die Frage ist, wer bereit ist, den Betroffenen zuzuhören, bevor die nächste Katastrophe – die der sozialen Verdrängung – ganzen Vierteln den Rest gibt.
Quelle: Europapress, Bericht vom 29. Oktober 2026; Daten der Cátedra Observatorio de la Vivienda der UPV.
Quelle: europapress.es