
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Ingenieure fordern mehr Investitionen in Bahn
Nach dem Unfall von Toledo: Kritik an vernachlässigtem Bahnsystem
Die Ingenieurskammer für Bauwesen der Balearen schlägt nach dem schweren Zugunglück in Toledo Alarm. Der Vizepräsident der Kammer, Ángel de Matías Charro, fordert nicht nur eine lückenlose Aufklärung des jüngsten Vorfalls, sondern grundlegende Reformen für das gesamte Schienennetz des Landes. Es brauche deutlich mehr Investitionen und eine durchgehende Professionalisierung des Bahnpersonals, so die Kernforderung.
Bereits seit geraumer Zeit, so betont der Ingenieur, weise seine Kammer auf strukturelle Mängel hin. Das Unglück, bei dem ein AVE und ein Iryo-Zug kollidierten, habe nun auf tragische Weise gezeigt, dass der Handlungsbedarf real sei. Die Erschütterung in der Bevölkerung sei verständlich, schließlich handle es sich bei der Bahn um einen systemrelevanten Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Das Vertrauen in diese Infrastruktur müsse dringend wiederhergestellt werden.
Charro zufolge sei es Aufgabe der Verantwortlichen, die Sicherheitsvorkehrungen zu überprüfen und den Bahnbetrieb so zu gestalten, dass Fahrgäste sich wieder sicher fühlen können. Die Untersuchung des Unglücks müsse mit höchster Sorgfalt erfolgen. Erst wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen, könnten Maßnahmen ergriffen werden, die einen ähnlichen Vorfall in Zukunft ausschließen.
Besonders besorgniserregend ist für den Vizepräsidenten die Tatsache, dass Spanien innerhalb eines einzigen Jahres zwei schwere Bahnunfälle erlebt hat. Dies sei ein klares Indiz dafür, dass es in dem System tiefgreifende Probleme gebe, die bislang nicht behoben wurden. "Hier stimmt etwas nicht, und das müssen wir finden und korrigieren", wird der Experte in seiner Analyse deutlich.
Menschliches Versagen als Symptom, nicht als Ursache
Mit Blick auf die ersten Ermittlungsergebnisse, die auf ein menschliches Versagen im Zusammenhang mit der Signaltechnik hindeuten, warnt Charro vor einer zu einfachen Schuldzuweisung. Die technischen Systeme seien schließlich genau dafür konzipiert, die Folgen menschlicher Fehler abzufedern oder gar zu verhindern. Ein solcher Fehler sei die variabelste Größe im gesamten Sicherheitskonzept.
"Wenn es bei dem Unfall zu einem menschlichen Fehler gekommen ist, dann ganz sicher, weil vorher andere Dinge versagt haben", argumentiert der Ingenieur. Sollte also ein technisches Defizit die Fehlentscheidung eines Mitarbeiters begünstigt haben, müsse die Verbesserung dieser Technik oberste Priorität haben. Die Fehlerkette beginne im Zweifel nicht erst am Schaltpult des Lokführers.
Daher fordert die Kammer neben einer umfassenden Untersuchung vor allem Investitionen in die Sicherheitstechnik und die Aus- und Weiterbildung der Beschäftigten. Es sei essenziell, dass alle Mitarbeiter im Bahnbetrieb über die notwendige Qualifikation verfügen und regelmäßig geschult werden.
Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, reiht sich dieser Appell in eine Serie von Diskussionen um die Sicherheit des Schienenverkehrs in Spanien ein, die nach den jüngsten Vorfällen erneut an Intensität gewonnen haben.
Quelle: europapress.es