
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Sánchez hält an Puente fest
Ein Minister unter Beschuss
Der Druck auf Óscar Puente wächst. Nach dem zweiten tödlichen Bahnunglück innerhalb von neun Monaten wird der Verkehrsminister offen für seinen Umgang mit der Krise kritisiert. Aus dem Regierungslager selbst ist zu hören, dass die Situation „nicht hinnehmbar“ sei. Der jüngste Vorfall bei Urda in der Provinz Toledo, bei dem 69 Menschen ums Leben kamen, hat eine Debatte über Sicherheitsstandards und Verantwortlichkeiten neu entfacht.
Moncloa zeigt sich geschlossen
Umso bemerkenswerter ist die demonstrative Unterstützung aus dem Präsidialamt. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, hat Regierungschef Pedro Sánchez seinem Minister in einem persönlichen Gespräch das Vertrauen ausgesprochen. Die Botschaft aus der Zentrale in Moncloa ist eindeutig: Puente bleibt im Amt und soll die Bewältigung der Katastrophe weiter federführend koordinieren. Zuvor hatten sich Sánchez und Puente über zwei Stunden im zentralen Betriebskontrollzentrum der Bahninfrastrukturgesellschaft Adif am Madrider Bahnhof Atocha aufgehalten und dort ein Lagebild der Rettungs- und Ermittlungsarbeiten erhalten.
Kritik aus den eigenen Reihen
Doch die Solidarität aus der Regierungszentrale überdeckt nur bedingt die wachsende Unruhe. Während Opposition und Gewerkschaften bereits „politische Konsequenzen“ fordern, wird auch innerhalb der sozialistischen Partei zunehmend offener Kritik geäußert. Der Tenor: 115 Tote bei zwei Unglücken binnen weniger Monate sind für ein Land wie Spanien, das sich als Vorreiter im Hochgeschwindigkeitsverkehr sieht, eine Katastrophe. Die Wortwahl des Premiers vom Vortag, der die Lage als „nicht hinnehmbar“ bezeichnete, wird dabei als Kritik am eigenen Minister interpretiert – ein Eindruck, den Moncloa nun offenbar korrigieren will.
Die Rolle des Faktors Mensch
Besonders umstritten ist Puentes Umgang mit den ersten Ermittlungsergebnissen. Seine schnelle Verweisung auf einen möglichen menschlichen Fehler eines Bahnmitarbeiters stößt bei den Gewerkschaften auf scharfen Widerspruch. Sie verweisen auf systemische Probleme und infrastrukturelle Mängel, die bei der Aufarbeitung nicht aus dem Blick geraten dürften. Der Minister selbst gilt in seinem Umfeld als angeschlagen, weist Rücktrittsgerüchte jedoch zurück.
Termine mit Erklärungsbedarf
Um die Wogen zu glätten, kündigte Puente für Freitagvormittag eine Pressekonferenz an. Zudem hat er eine Sondersitzung der zuständigen parlamentarischen Gremien beantragt. Die öffentliche Befragung ist für den 3. November terminiert. Es wird erwartet, dass er dort nicht nur zu den Hintergründen des Unglücks Stellung bezieht, sondern auch zu den Sicherheitskonzepten für die Zukunft Spaniens.
Basierend auf einem Bericht von Europa Press vom 29. Oktober.
Quelle: europapress.es