
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Streik legt Osakidetza lahm: Gewerkschaften fordern Taten
Ein Warnschuss mit Ansage
Die Botschaft der Beschäftigten im baskischen Gesundheitswesen ist unmissverständlich. Mit einer "massiven und sehr bedeutenden" Beteiligung am ersten von fünf geplanten Streiktagen haben die Mitarbeiter von Osakidetza klargestellt, dass ihnen der Geduldsfaden gerissen ist. In Bilbao, aber auch in den anderen baskischen Hauptstädten, machten sie ihrem Frust Luft – sehr zum Unmut der Konzernleitung, die nun mit dem Rücken zur Wand steht. Wie die Gewerkschaften SATSE, ELA, LAB, CCOO und UGT in einem gemeinsamen Kommuniqué verlauten ließen, sei der Ball nun klar im Feld der Regierung: Man erwarte "echte Fortschritte", keine wohlfeilen Worte.
17 Jahre Stillstand – die Rechnung ist überfällig
Die zentrale Kritik ist nicht neu, aber sie ist dringlicher denn je: Seit 17 Jahren harren die Beschäftigten aus, ohne dass ihre Arbeitsbedingungen grundlegend reformiert wurden. Die Gewerkschaften werfen der Führung von Osakidetza vor, in den jüngsten Verhandlungsrunden erneut keine tragfähigen Lösungen präsentiert zu haben. Besonders pikant: Ausgerechnet jetzt, wo die baskische Regierung ihre Haushaltsplanungen für 2027 abschließt, fehlt auf dem Tisch jedes konkrete Lohnangebot. Aus Sicht der Arbeitnehmervertreter ist das ein Armutszeugnis – denn ohne eine Aufstockung des Budgets für das Gesundheitswesen seien die geforderten Verbesserungen schlichtweg nicht umsetzbar.
Die Liste der Missstände ist lang. Es geht um Arbeitszeitmodelle, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um Gleichstellung, um den Generationenwechsel und nicht zuletzt um die Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz. Dazu kommt das heikle Thema der Überstunden: Monatlich gibt Osakidetza rund drei Millionen Euro allein für Mehrarbeit in den Krankenhäusern aus – Geld, das laut den Gewerkschaften besser in reguläre Stellen und faire Bezahlung investiert wäre.
Zwangsmaßnahmen statt Dialog?
Ein weiterer provozierender Punkt sind die von der Arbeitgeberseite festgelegten Minimaldienste. Diese bezeichneten die Gewerkschaften als "zunehmend schikanös" – sie würden tausende Beschäftigte faktisch ihres Streikrechts berauben. Die Erfahrungen vom Freitag scheinen das zu bestätigen: Zahlreiche Gesundheitszentren in den drei Provinzen blieben völlig geschlossen, in vielen anderen liefen ausschließlich die Notdienste. Auch in den Kliniken war die Lage spürbar: In Txagorritxu wurden Operationssäle und das Zentrallabor geschlossen, in Santiago standen Wäscherei und Einkauf still, das Bidasoa-Krankenhaus meldete ein geschlossenes Lager, und in Zumarraga legte die Pathologie die Arbeit nieder.
Der Druck steigt – die Uhr tickt
Die Gewerkschaften lassen keinen Zweifel daran, dass sie gewillt sind, den Konflikt zu eskalieren. Ihre Forderung ist klar: ein Regulierungsabkommen, das die Arbeitsbedingungen aller Berufsgruppen verbessert, Diskriminierungen abbaut und endlich für ausreichend Personal sorgt. Man sei nicht länger bereit, sich mit kosmetischen Korrekturen abspeisen zu lassen. Die nächsten Schritte sind bereits terminiert: Für den 9. Dezember ist ein Streik in Álavas Hauptstadt Vitoria geplant, am 10. folgt Bilbao, am 11. San Sebastián, bevor am 14. Dezember der nächste landesweite Ausstand droht.
Wie die Zeitung Deia berichtet, war der Ton auf der Kundgebung in Bilbao entsprechend kämpferisch: Die Lösung des Konflikts sei eine Frage des politischen Willens, und dieser Wille sei in der baskischen Regierung bislang nicht sichtbar. Worte allein, so die unmissverständliche Drohung, würden die Wut der Belegschaft nicht mehr besänftigen. Man werde den Kampf so lange fortsetzen, bis handfeste Ergebnisse auf dem Tisch liegen. Das Baskenland steht damit vor einem harten Arbeitskampf – und Osakidetza vor einer Bewährungsprobe, die es sich über Jahre selbst zuzuschreiben hat.
Quelle: europapress.es