Seat & Cupra: Elektro-Offensive frisst Gewinne

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Barcelona

Seat & Cupra: Elektro-Offensive frisst Gewinne

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Der Preis des Wandels

Die spanische Volkswagen-Tochter Seat & Cupra spürt die Schattenseiten der Elektro-Offensive. Wie das Unternehmen am Freitag mitteilte, brach das operative Ergebnis in den ersten drei Quartalen um alarmierende 59,3 Prozent auf nur noch sechs Millionen Euro ein. Ein erbärmlicher Wert für einen Konzern, der sich selbst gerne als Vorreiter der Mobilitätswende feiert. Der Umsatz sank zeitgleich um 1,2 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro.

Die Ausrede der Transformation

Die Firmenspitze um CEO Markus Haupt malt das Bild einer Branche im Ausnahmezustand: Man sei Opfer des eigenen Erfolgs bei der Elektrowende. Der Absatz von Stromern habe die Erwartungen in Schlüsselmärkten wie Deutschland, Frankreich und Dänemark „deutlich übertroffen“ – doch genau dieser Triumph sei nun das Problem. Jedes verkaufte Elektroauto untergräbt die Margen, während die einst so profitablen Verbrenner-Modelle an Boden verlieren.

Die Rechnung ist simpel, das Ergebnis verheerend: Cupra musste massive Investitionen in den Marktstart seiner E-Modelle stemmen, während der interne Verkauf von CO₂-Zertifikaten an andere VW-Marken wegbricht. Die bequeme Lizenz zum Gelddrucken ist Geschichte. Patrik Andreas Mayer, Finanzvorstand des Unternehmens, warnt unverblümt: „Die niedrige Rentabilität und der geringe Cashflow gefährden ernsthaft unsere künftige Investitionsfähigkeit.“ Mit anderen Worten: Der Karre geht der Sprit aus, bevor die E-Offensive richtig Fahrt aufnimmt.

Der Widerspruch der eigenen Strategie

Wer jetzt glaubt, das Management würde den Kurs korrigieren, irrt gewaltig. Haupt verkauft die Misere als Bestätigung seiner Agenda: „Diese Entwicklung untermauert unsere Elektrifizierungsstrategie“, tönt es aus Barcelona. Man wolle nun die Kosten der Elektroautos drastisch senken, alle Investitionen überprüfen – und dennoch an den ambitionierten Plänen festhalten. Dieser Spagat zwischen Wunschdenken und Realität könnte teuer werden.

Das Eigenlob der Verantwortlichen wirkt beinahe zynisch: „Das industrielle Gewicht von Martorell, das globale Wachstum von Cupra, all das stärkt unser Vertrauen in den Kurs des Unternehmens.“ Dabei zeigt die nüchterne Bilanz: Die Rendite von 0,05 Prozent ist ein Armutszeugnis für einen Hersteller, der mit über 250.000 verkauften Cupra-Fahrzeugen prahlt. Der Erfolg des neuen Raval mit über 51.000 Bestellungen ändert nichts daran, dass jedes zweite E-Auto meist nur mit Verlust über den Ladentisch geht.

Der Blick in den Abgrund

Die Strategen in Martorell träumen von einer Zukunft als „europäisches Tesla“ und planen den Eintritt in den Nahen Osten. Doch die harte Realität in Wolfsburg und anderswo zeigt: Die VW-Familie kämpft mit Milliardenverlusten, Werkschließungen und erodierenden Marktanteilen. Die spanische Tochter tanzt nicht aus der Reihe, sie tanzt im Gleichschritt in die Krise.

Die Ankündigung, weiter auf eine zusätzliche Fahrzeugplattform in Martorell zu pochen, entbehrt da nicht einer gewissen Ironie. Wer soll diese Kapazitäten füllen, wenn die Kernmärkte Europas in der Elektro-Dauerkrise stecken? Spaniens Industrie braucht keine Subventionen für Problem-Lager, sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme.

Der Vertrauensvorschuss schwindet

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Der Abschwung ist kein Betriebsunfall, sondern die logische Konsequenz einer überhasteten Transformation. Die Botschaft der Geschäftsleitung, man halte am Plan fest und der Gewinn komme schon wieder, erinnert an das Pfeifen im dunklen Wald.

Die finanziellen Reserven schmelzen, der Wettbewerb aus China presst die Preise, und die Kunden zögern angesichts hoher Anschaffungskosten und mangelnder Ladeinfrastruktur. Wer jetzt weiter auf Wachstum um jeden Preis setzt, riskiert nicht weniger als die Zukunft der gesamten Marke. Die nächsten Quartale werden zeigen, ob das Management aus Barcelona die Kurve kriegt – oder ob der Traum von der spanischen E-Mobilitäts-Schmiede endgültig ausgeträumt ist. Wie die Unternehmensführung jüngst erklärte, hält man zwar an den Prognosen fest, doch die Skepsis in der Branche wächst. Die Zahlen lügen nicht: Seat & Cupra hat ein gravierendes Profitabilitätsproblem, das sich mit Sonntagsreden nicht lösen lässt.

Quellen: Europa Press


Hinweis: Die Berichterstattung über den Gewinneinbruch bei Seat & Cupra basiert auf den aktuellen Quartalszahlen des Unternehmens für den Zeitraum Januar bis September.


Quelle: europapress.es

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