Kein Land zum Löschen

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Kein Land zum Löschen

von Jonas Beck

Die Saison der Waldbrände hat ihr Drama noch nicht beendet: Innerhalb von nur einer Woche stieg die verbrannte Fläche in Spanien um 19 Prozent auf über 265.000 Hektar. Das entspricht mehr als der halben Fläche der Provinz Córdoba. Die drittkraftvollste Melkwoche des laufenden Jahres ist nach Auswertungen des europäischen Erdüberwachungsdienstes Copernicus verzeichnet.

Die Satellitendaten zeigen ein Schadensmuster, das nicht allein mit der Witterung erklärt werden kann, betont José Ramón González Pan, Sprecher des Berufsverbandes der Forstingenieure. „Der Klimawandel ist nicht der einzige Schuldige hier – in diesem Jahr gab es ein hohes Maß an Nachlässigkeit, viele Fehleinschätzungen", erklärt Pan gegenüber dieser Redaktion.

Seit Januar registrierten die Überwachungssysteme ein Flächenausmaß von 265.457 Hektar verkohlten Landes, eine Fläche, die größer ist als das gesamte Stadtgebiet von Luxemburg. Selbst im Vergleich zum Vorjahresstand steht dies eine Verdreifachung dar. Besonders gravierend: Allein in den vergangenen drei Wochen fielen rund 180.000 Hektar den Flammen zum Opfer.

Zieht sich der Staat aus der Prävention zurück?

Dass Spanien einerseits von immer extremen Dürreperioden heimgesucht wird, deren Ursache klimatisch bedingt ist, diskutiert die Wissenschaft nicht. Pan schlägt jedoch in eine andere Kerbe. Er verweist auf die schrittweise Verkleinerung des Löschflugzeugparks und der Bodenteams – ein Ausdruck staatlichen Rückzugs. „Wir wären nicht überrascht, von einem wesentlich besseren Ergebnis zu hören, wenn die finanziellen Mittel für die Bekämpfung der Flächenfeuer im gleichen Verhältnis gestiegen wären", sagt der Sprecher.

In der Tat sei die Lage am äußersten Rand, wenn ein Brand brenne: „Hätten wir eine bessere Ressourcenausstattung gehabt, hätte es deutlich weniger Fläche gegeben." Seine Worte fallen in eine Debatte über Personalabbau und altersbedingte Einstellung bei den Forstschutzbehörden.

Der Feuerschutz beginnt an der Ortsschild

Verschärfend wirkt laut dem Ingenieur ein Landnutzungsproblem: Immer weiter ziehen sich Wohnbauten in die Bergregionen und an die Waldränder. Wo ehemals Bauern und Schäfer die Wälder extensiv nutzten – und so für lichte Strukturen sorgten – dominieren heute geschlossene, ausufernde Gehölzbestände. Bei einem Brand gilt dann nicht mehr die Devise zu löschen, sondern zu schützen – das nimmt den Einsatzkräften wertvolle Schlagkraft.

„Erst die Evakuierung der Bevölkerung, dann der Schutz von Hab und Gut, und erst danach richtet sich der Blick auf den Wald", beschreibt Pan das ungeschriebene Gesetz. Mit verheerender Folge: Während die Feuerwehrleute damit beschäftigt seien, Häuser zu bewachen, greife der Brand weiter um sich. Ein Fakt, der aus Sicht des langjährigen Beobachters klar macht: Je mehr Einflussfaktoren zu einem frühen Zeitpunkt bekämpft werden können – sei es durch aktive Prävention, Wächter oder Aufklärungsarbeit, desto eher können wir in Zukunft wieder von einem Sommerurlaub in den Wäldern der Heimat sprechen.

Die Abwärtsspirale ist jedenfalls festgehalten – und der Erdmehrverbrauch 2026 steht symbolisch für ein Problem, das nicht nur mit dem Wetter zu kämpfen hat.


Quelle: 20minutos.es