
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Ein Feuer, viele Fragen
Es gibt Daten, die sich einbrennen. Der 1. Oktober 2023 gehört für Murcia dazu: In der Diskothek „Teatre“ und im Club „Fonda Milagros“ sterben in jener Nacht 13 Menschen. Drei Jahre später ist das Verfahren endlich an einem Punkt, der Hoffnung macht – und zugleich Ohnmacht offenbart.
Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, steuert die Strafsache auf die Eröffnung des Hauptverfahrens zu. Sieben Beschuldigte sollen sich vor der Audiencia Provincial de Murcia verantworten. Die Anklageschrift der Familienvertretung wiegt schwer: 13-facher fahrlässiger Totschlag, fahrlässige Körperverletzung, Verstöße gegen Arbeitnehmerrechte – vorläufig gefordert werden Haftstrafen von bis zu achteinhalb Jahren. Das klingt nach Konsequenz. Aber es ist nur die halbe Wahrheit.
Drei Jahre, sieben Angeklagte, null Euro
Die juristische These der Hinterbliebenen lautet: Dieser Brand hätte verhindert werden können. Der Beleg dafür muss nun in der Hauptverhandlung folgen. Im Februar brachte das Instanzgericht von Murcia das Ermittlungsverfahren auf den Weg, im Juli folgte der Eröffnungsbeschluss. Ein Fortschritt, aber kein Grund zu feiern. Denn was der Anwalt der Familien, Pedro López Graña, öffentlich anprangert, ist ein Skandal eigener Art: „Die Opfer haben bis heute keinen einzigen Cent erhalten.“
Ein Satz, der schwerer wiegt als jede Prozessakte. Das Gericht hat eine gesamtschuldnerische Sicherheitsleistung von knapp 8,8 Millionen Euro angeordnet – gegenüber den sieben Beschuldigten, der Betreibergesellschaft der „Teatre“ und vier Versicherungen. Doch die Versicherer dürften ihre Haftung auf die vertraglich vereinbarten Deckungen begrenzen. Was bleibt, ist ein Verfahren, das sich durch Instanzen zieht, während die Angehörigen zwischen Trauer und Existenzsorgen stehen.
Natürlich: Wer die Justiz verteidigen will, sagt, ein Verfahren dieser Dimension brauche Zeit. Dass niemand vorab verurteilt werde. Dass die Beweisaufnahme erst im Gerichtssaal beginne. Alles richtig. Aber es ist auch richtig, dass die Familien keine außergewöhnlichen Privilegien verlangen. Sie verlangen, dass geklärt wird, was in jener Nacht geschah. Und sie verlangen, dass am Ende nicht nur die kleinen Rädchen des Systems haften, sondern die Strukturen, die Versagen ermöglicht haben.
Die Stadt im Fokus
Damit ist die heikelste Frage angesprochen: die Rolle der Stadt Murcia. In der Hauptsache gilt sie vorerst nicht als haftbarer Träger. Das Ermittlungsverfahren gegen kommunale Bedienstete und Funktionsträger wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung wurde vorläufig eingestellt. Doch mehrere Anklageseiten wehren sich gegen diese Entscheidung. Und es gibt getrennte Ermittlungen, die der Frage nachgehen, ob die damaligen Nutzungsuntersagungen für die Diskotheken in einen Fall von Verwaltungsrechtsbeugung münden.
Die Gegenposition ist hart: Wenn Behörden ihre Befugnisse hatten und nicht durchgriffen, dann ist das kein Betriebsunfall. Dann ist es ein institutionelles Versagen. Ob daraus strafrechtliche Verantwortung folgt, muss ein Gericht entscheiden. Aber das öffentliche Interesse darf nicht verstummen, nur weil sich juristische Prüfungen Zeit lassen.
Drei Jahre nach dem Feuer von Atalayas ist also klar: Der Prozess kommt. Doch er muss mehr liefern als eine Verurteilung. Er muss die Frage beantworten, wie eine solche Katastrophe in einem Land mit Bauvorschriften, Brandschutzauflagen und Kontrollbehörden überhaupt geschehen konnte. Sonst bleibt von der Gerechtigkeit nur eine Fußnote.
Quelle: Europa Press
Quelle: europapress.es