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Trainline drängt auf faire Ticket-Vermittlung
Frist läuft ab: Streit um Ticket-Gebühren spitzt sich zu
Der britische Bahnticket-Vermittler Trainline verschärft seinen öffentlichen Druck auf das spanische Verkehrsministerium. Im Zentrum steht eine aus Sicht des Unternehmens überfällige Regulierung der Geschäftsbedingungen zwischen Eisenbahngesellschaften und unabhängigen Verkaufsplattformen. Das berichtet die Zeitung 20 Minutos.
Hintergrund ist ein Passus im spanischen Gesetz für nachhaltige Mobilität. Dieses verpflichtet die Regierung, bis Dezember dieses Jahres per Dekret festzulegen, dass die technischen und finanziellen Konditionen zwischen Transportunternehmen und digitalen Vermittlern "angemessen, fair, transparent und verhältnismäßig" sein müssen. Die Aufsicht darüber soll die nationale Wettbewerbsbehörde CNMC übernehmen.
Konkret geht es um die Einführung einer Mindestprovision. Diese sollen Bahnbetreiber wie die staatliche Renfe an Plattformen wie Trainline zahlen, wenn diese Tickets verkaufen. Das Unternehmen argumentiert, die derzeitigen Sätze deckten nicht einmal die tatsächlichen Kosten. Man gehe davon aus, "dass unter den aktuellen Bedingungen, mit denen die dominierenden Betreiber arbeiten, die Kosten nicht gedeckt sind", zitiert die Zeitung Trainline-Regulierungsdirektor Guillermo Serrano.
Gutachten belegt Preisvorteile
Um die Forderung zu untermauern, legte Trainline nun eine Studie des Analysehauses Misura vor. Diese untersucht den "sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Einfluss" unabhängiger Ticket-Plattformen. Die zentrale Erkenntnis: Kunden, die ihre Bahnfahrkarten über Trainline buchen, sparen demnach durchschnittlich 7,48 Euro pro Ticket im Vergleich zum Direktkauf beim Betreiber. Der Gesamtersparnis-Effekt für alle Nutzer solcher Plattformen liege demnach bei jährlich 18 bis 23 Millionen Euro.
Das Ministerium unter Leitung von Óscar Puente hat die geforderte Verordnung bisher nicht vorgelegt. Als Begründung verweist die Behörde laut Bericht auf andere Aufgaben aus dem Mobilitätsgesetz, etwa die Einrichtung von Gremien zur institutionellen Zusammenarbeit. Von diesen Initiativen fehle allerdings seit Monaten jede Spur, merkt die Plattform kritisch an.
Europäische Dimension und Marktdominanz
Der Vorstoß aus Madrid ist Teil eines größeren Konflikts. Auch die EU-Kommission beschäftigt sich mit dem Thema: Ein im Mai vorgelegtes Regelungspaket sieht vor, dass Vermittler Zugang zum gesamten Angebot der Bahnunternehmen erhalten. Zudem soll die Liberalisierung so weit gehen, dass auf den Webseiten eines Betreibers auch Tickets der Konkurrenz verkauft werden. Eine Umsetzung auf europäischer Ebene wird jedoch frühestens in einem Jahr erwartet. Trainline drängt deshalb auf eine nationale Lösung, bevor die Frist Ende 2026 endgültig abläuft.
Die Dringlichkeit erklärt sich aus der Marktlage: Renfe hält trotz des Aufkommens der Konkurrenten Ouigo und Iryo weiterhin einen Marktanteil von rund 60 Prozent im Hochgeschwindigkeitsverkehr. Nach Ansicht von Trainline braucht der Sektor dringend "klare Spielregeln", um Innovation und Wettbewerb zu ermöglichen. Eine faire Vergütung durch die etablierten Anbieter sei dafür die Grundvoraussetzung. Eine Weitergabe möglicher neuer Gebühren an die Fahrgäste schließt das Unternehmen ausdrücklich aus – es handle sich um eine rein unternehmerische Vereinbarung zwischen den beteiligten Firmen.
Quelle: 20minutos.es