Gericht lässt Anklage gegen Polizisten zu

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Gericht lässt Anklage gegen Polizisten zu

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Tod nach Festnahme: Ermittlungen gegen Polizisten gehen weiter

Im Fall des Todes von Abderrahim Akkouh in Torrejón de Ardoz hat die zuständige Richterin die Anklage gegen zwei Polizeibeamte aufrechterhalten. Die Ermittlungsrichterin des Gerichts Nr. 4 von Torrejón de Ardoz sieht nach Auswertung der vorliegenden Beweise genügend Anhaltspunkte für ein vollendetes Tötungsdelikt. Die endgültige rechtliche Würdigung bleibt zwar offen, doch die Kammer hat die Zuständigkeit der Schwurgerichte (Tribunal del Jurado) festgestellt.

Der Vorfall: Eine Festnahme mit tödlichem Ausgang

Am Abend des 17. Juni 2025 gegen 23 Uhr verließen ein aktiver Polizist der Madrider Gemeindepolizei und sein pensionierter Kollege eine Bar in der Calle San Alberto. Vor Ort wurden sie von Akkouh und einer weiteren, bislang unbekannten Person angegriffen. Bei dem Zwischenfall wurde der Beamte gestoßen und ihm sein Mobiltelefon aus einer Umhängetasche entwendet. Die beiden Männer nahmen die Verfolgung der mutmaßlichen Diebe auf.

Der Polizist holte Akkouh an der Kreuzung der Straßen Calle Pesquera und Calle Calderas ein. Was dann geschah, ist Gegenstand der Ermittlungen: Der Beamte brachte den Mann zu Boden, fixierte ihn in Bauchlage, drückte seinen Oberkörper auf dessen Rücken und legte seinen Arm um dessen Hals. Sein Kollege, der pensionierte Beamte, unterstützte die Aktion, indem er die Beine des Mannes festhielt. Diese Kombination aus Bauchlage, Thoraxkompression und Halsgriff führte nach Ansicht der Ermittler zur Todesursache.

Todesursache: Erstickung durch mehrere Faktoren

Das endgültige Obduktionsergebnis stellt als unmittelbare Todesursache einen Sauerstoffmangel (Anoxie) fest, der auf eine mechanische Erstickung zurückzuführen ist. Der rechtsmedizinische Bericht nennt zudem mehrere Faktoren, die zum Tod beigetragen haben: Neben Vorerkrankungen des Herzens und einem kürzlichen Drogenkonsum waren dies die Art der Immobilisierung mit Brustkorbkompression und der Griff an den Hals. Akkouh verstarb nur rund zehn Minuten nach dem Vorfall.

Juristische Aufarbeitung und städtische Verantwortung

Die Richterin bewertet die von der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage vorgebrachten Vorwürfe als hinreichend fundiert, um das Verfahren fortzuführen. Ein wichtiger Schritt ist die Entscheidung, die Stadt Madrid als mögliche zivilrechtlich haftende Körperschaft in den Fall einzubeziehen. Dies geschieht auf Grundlage von Artikel 121 des Strafgesetzbuchs, der die Staatshaftung für Schäden regelt, die von Beamten in Ausübung ihrer Pflichten verursacht werden.

Zudem ordnete das Gericht an, die Strafregister der beiden Beschuldigten beizuziehen, um sie der Akte beizufügen. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, sieht die Richterin damit die Grundlage für eine Anklageerhebung wegen eines Verbrechens gegen das Leben als erfüllt an. Der Fall wirft erneut ein Schlaglicht auf die polizeilichen Festnahmetechniken und die Frage, wann eine Maßnahme zur Gefahrenabwehr in eine strafbare Handlung umschlägt. Die Verteidigung der Beamten dürfte nun die Gelegenheit nutzen, die Beweisaufnahme anzufechten und alternative Verlaufsdarstellungen zu präsentieren.


Quelle: europapress.es

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