Der Abstieg des Volleyballs – Ein System versagt

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Sant Cugat del Vallès

Der Abstieg des Volleyballs – Ein System versagt

von Redaktion

Ein finanzieller Abgang als Systemkritik

Zehn Jahre in der Höhe der spanischen Volleyball-Elite, eine europäische Teilnahme – und jetzt der Abstieg. Der Club Voleibol Sant Cugat steigt nicht wegen sportlicher Schwäche ab, sondern weil der Betrieb in der Liga Iberdrola „wirtschaftlich unhaltbar“ geworden ist, wie Präsident Salva Vendrell gegenüber Cugat Mèdia erklärt. Das ist kein isolierter Fall eines verschuldeten Vereins. Es ist die logische Konsequenz eines Wettbewerbsmodells, das auf grenzenlose Ressourcen setzt und dabei diejenigen, die ihren Sport aus der Basis heraus denken, systematisch ausblutet.

Die Zahlen sind eindeutig und erschreckend simpel: Das Halten eines Teams in der höchsten Liga kostet etwa 350.000 Euro pro Jahr. Diese Summe, ein Mix aus Spielergehältern, Reisen, Transferkosten für internationale Spieler und Lizenzgebühren, ist für Clubs wie Sant Cugat eine unüberwindbare Hürde. Der Präsident beschreibt einen Teufelskreis: Die Kosten für alles – Reisen, Gebühren, Gehälter – sind explodiert, während die eigenen Ressourcen nicht im gleichen Tempo gewachsen sind. Gleichzeitig lockert die Federación Española de Voleibol die Regelung für spanische Spieler auf dem Feld, um mehr „Show“ zu bieten. Nur zwei müssen nun Spanierinnen sein, der Rest kann international sein. Was als Modernisierung verkauft wird, ist in Wahrheit ein Turbo für die Ungleichheit. Clubs mit großen Budgets können globales Talent einkaufen, während Vereine, die auf lokale Entwicklung setzen, abgehängt werden.

Die Krönung der Ungerechtigkeit: Subventionen im Wartestand

Die finanzielle Schieflage wird durch ein administratives Paradoxon zur existenziellen Krise. Subventionen, die vom Consell Català de l’Esport und der Gemeinde Sant Cugat zugesagt sind, kommen regelmäßig zu spät – oft Monate nach Ende der Saison. Der Club muss die gesamte Betriebskostenvorfinanzieren und steht damit unter permanentem Cashflow-Druck. „Es entsteht eine enorme Liquiditätsbelastung, weil du die ganze Saison bezahlen musst, ohne zu wissen, wann du Geld erhalten wirst“, so Vendrell. Diese Praxis ist nicht nur schlecht organisiert, sie ist respektlos gegenüber dem Engagement der Vereine und ihrer Athleten. Sie offenbart, wie wenig ernsthaft der Sport an seiner Basis oft unterstützt wird.

Vendrell zieht, ohne direkt zu beschuldigen, einen klaren Vergleich, der die regionale Ungleichheit im System beleuchtet: Auf den Kanarischen Inseln erhalten einige Teams Subventionen in Millionenhöhe – eine Summe, die in Katalonien undenkbar ist. Hier liegt der Kern des Problems: Ein nationaler Wettbewerb wird de facto durch lokal extrem unterschiedliche finanzielle Grundlagen bestimmt. Das Ergebnis ist keine faire Liga, sondern ein Oligopol der Bestfinanzierten.

Die neue Liga: Flucht oder Chance?

Der Ausweg für Sant Cugat ist der erzwungene Schritt zurück in die Superlliga 2, die kommende Saison als stärkere „Liga Or“ mit einem einzigen, hochkarätigen Zwölfer-Pool neu organisiert wird. Präsident Vendrell sieht darin eine Chance für einen „hyperpotenten“ Wettbewerb. Doch dieser Optimismus ist die Fassade einer Niederlage gegen das System. Der Abstieg ist nicht strategisch, er ist erlitten.

Der Club aus Sant Cugat wird seinen Platz wahrscheinlich an den Club Voleibol Kiele aus Socuéllamos in Castilla-La Mancha verkaufen, ein Interessent, der seit Beginn der Diskussionen wartet. Ein solcher Verkauf von Lizenzrechten ist bereits precedentiert: Der FC Barcelona verkaufte seine Platz vor drei Jahren für rund 20.000 Euro. Dieses Geschäft mit Ligenplätzen ist selbst ein Symptom – die Erstklassigkeit wird zur Ware, die nur Clubs mit entsprechendem Kapital erwerben können.

Die These: Ein Modell, das seine Basis vergisst, stirbt

Sant Cugats Rückzug ist eine Warnung. Das Projekt des Clubs bleibt in der Basis verwurzelt, der Trainer Joshua Pérez soll bleiben, der Fokus auf Jugend und lokale Spieler wird sogar verstärkt. Doch dieses Modell, wie Vendrell selbst sagt, „reicht nicht, um auf höchstem Niveau zu konkurrieren“, wenn keine Kapazität für teure Verpflichtungen hinzukommt. Die bittere Wahrheit ist: Das aktuelle System der Liga Iberdrola belohnt nicht langfristige Jugendarbeit, es belohnt kurzfristige Kaufkraft.

Wenn ein Club nach zehn Jahren in der Elite aus finanziellen Gründen absteigen muss, nicht weil seine Jugend schlecht ist, sondern weil seine Budgets nicht mit denen der Großfinancierten mithalten können, dann ist das Wettbewerbsmodell gescheitert. Es produziert keine breite sportliche Exzellenz, sondern eine kommerzielle Konzentration. Sant Cugat macht einen „Schritt zurück, um Schwung zu holen“. Das System sollte sich fragen, ob es nicht einen großen Schritt vorwärts machen muss, um seine eigenen Grundlagen zu retten.

Quellen: Angaben und Interviews von Präsident Salva Vendrell sowie vom Präsidenten des Club Voleibol Kiele, Kiko Santos, wurden von Cugat Mèdia publiziert und für diesen Artikel analysiert. Die finanziellen Rahmenkosten der Liga Iberdrola sowie der precedentierte Platzverkauf des FC Barcelona sind ebenfalls durch Cugat Mèdia recherchiert.

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