Crowe, der Druide und der Doppelstandard

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Sant Cugat del Vallès

Crowe, der Druide und der Doppelstandard

von Sabine Keller

Hier zeigt sich der Staat von seiner privilegienversessenen Seite. Während Bürger pflichterfüllt auf den Zutritt zu ihren heimischen Wäldern verzichten, rollt für einen Hollywoodstar der rote Teppich aus – selbst dann, wenn dieser Teppich über ein unter veterinärpolizeilicher Sperre stehendes Gelände führt. Der Fall um den Film „The Last Druid“ mit Russell Crowe in Sant Cugat ist kein kurioses Lokalkolorit. Er ist ein Lehrstück über willkürliche Entscheidungsstrukturen und sozialen Unfrieden, den diese säen.

Ein fragwürdiger Dreh im gesperrten Gebiet

Wie das Portal Cugat.cat berichtet, wurde das Filmprojekt auf dem Gelände des ehemaligen Golfplatzes Can Sant Joan realisiert – einer Zone, die aufgrund der Afrikanischen Schweinepest unter strengen Zugangsbeschränkungen steht. Diese gelten für alle. Oder etwa nicht? Das Parlament von Katalonien stellt nun genau diese Frage. Die parlamentarische Gruppe der Comuns hat eine Reihe scharf formulierter Anfragen an die Regionalregierung gerichtet. Der Kernvorwurf: Während Sportvereine, Schulen und Anwohner monatelang konsequent ausgeschlossen wurden, erhielt eine Filmproduktion mit internationalem Staraufgebot zunächst grünes Licht.

Die Logik dieser Entscheidung muss man erst einmal begreifen wollen. Das zuständige Landwirtschaftsdepartement stoppte den Dreh schließlich, weil der errichtete Perimeterschutz die geforderten Biosicherheitsmaßnahmen nicht gewährleiste und den Zu- und Abgang von Wildschweinen nicht wirksam verhindern könne. Die naheliegende und von der Abgeordneten Núria Lozano gestellte Frage lautet: Welche „technischen, sanitärhygienischen und administrativen Kriterien“ erlaubten überhaupt die anfängliche Genehmigung? Und warum identifizierte man die offenkundigen Mängel erst, als die Kameras bereits liefen?

Der bittere Beigeschmack des "greuge comparatiu"

Die Comuns bringen das Stichwort auf den Punkt, um das sich der gesamte Ärger dreht: „greuge comparatiu“ – vergleichendes Unrecht. Dieses Gefühl des Ungleichbehandelt-Werdens ist der Zündstoff für jedes gesellschaftliche Klima. Die Regierung verhängt restriktive Maßnahmen, die nur dann von der Bevölkerung akzeptiert werden, wenn ihre Anwendung gerecht und transparent ist. Doch was bleibt vom Vertrauen in die Autoritäten, wenn der Eindruck entsteht, für die Mächtigen und Glamourösen gelten andere Regeln?

Die parlamentarischen Fragen zielen genau auf diesen wunden Punkt. Wurden in der gleichen Zeit lokalen Initiativen ähnliche Aktivitäten verwehrt? Welches interdepartementale Protokoll gilt überhaupt für die Genehmigung von Sonderaktionen in Sperrgebieten? Und – eine Frage von existentieller Bedeutung – kann die Regierung nach diesem Debakel noch garantieren, dass die Filmaktivitäten das Risiko einer Verbreitung der Tierseuche nicht erhöht haben?

Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Am Ende steht mehr auf dem Spiel als ein unterbrochener Filmdreh. Es geht um die Glaubwürdigkeit staatlichen Handelns. Ein Regierung, die von ihren Bürgern Opfer und Disziplin einfordert, muss selbst die höchsten Maßstäbe anlegen. Der Vorfall in Sant Cugat suggeriert das Gegenteil: Schlampige Prüfverfahren, intransparente Entscheidungswege und die Anwendung eines zweierlei Maßes.

Die Antworten der katalanischen Regierung werden zeigen, ob sie den Ernst der Lage begriffen hat. Es reicht nicht, einen Dreh zu stoppen. Man muss die Systemfehler korrigieren, die ihn ermöglichten. Andernfalls wird nicht nur die Biosicherheit geschwächt, sondern, wie die Comuns zutreffend warnen, auch die „soziale Compliance“ – der gesellschaftliche Konsens, gemeinsam durch eine Krise zu kommen.

Quellen: Die parlamentarischen Anfragen der Grup Parlamentari dels Comuns sowie Berichterstattung von Cugat.cat bilden die Grundlage dieser Analyse.


Quelle: cugat.cat