
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Die transformierende Kraft der Migration
Vom persönlichen Schicksal zur sozialen Mission
Die Biographie von Tijan Konteh ist geprägt von Bewegung. Im Alter von acht oder neun Jahren verließ er mit seiner Mutter seine Geburtsstadt Nyamanari in Gambia, um seinem Vater nach Spanien zu folgen. Seine frühe Kindheit in Westafrika ist heute nur noch fragmentarisch in seiner Erinnerung präsent. Die darauffolgenden Jahre waren von weiteren Stationen in Katalonien und Europa gekennzeichnet, darunter Vic, Olot, Manresa, Dakar und Oslo, bevor er sich schließlich 2023 in Sant Cugat niederließ. Dieser letzte Umzug, wie er berichtet, stand im Zeichen des Engagements: Er zog dorthin, um der von ihm geleiteten Associació de Joves Africans de Catalunya (AJAC) neuen Schwung zu verleihen.
Ein Wendepunkt: Deportation und Rückkehr
Konths Verständnis für die Risiken und Gründe von Migration ist nicht theoretisch, sondern existenziell. Ein Schlüsselerlebnis war seine eigene unfreiwillige Rückkehr nach Gambia. Nach einer Zeit wirtschaftlicher Not der Familie, während der sein Vater Arbeit in Frankreich suchte, versuchte Konteh sein Glück in Norwegen. Ohne spanische Staatsbürgerschaft oder norwegische Aufenthaltserlaubnis wurde er nach einer Weile nach Gambia abgeschoben. Dieses Jahr, so schildert er, war entscheidend. "Ich lebte dort, sah die Schwierigkeiten und Mängel und lernte die Möglichkeiten, die ich hier hatte, zu schätzen", sagt Konteh. Diese Erfahrung ließ ihn die verzweifelte Entscheidung seines Vaters und vieler anderer, die lebensgefährliche Route über das Meer zu wählen, fundamental verstehen. Die Rückkehr nach Spanien gelang ihm schließlich nur über langwierige Botschaftsverfahren mit einem Visum.
Die Geburt eines Engagements
Der Impuls, sich organisieren zu wollen, entstand laut Konteh nach einem Besuch des Sozialunternehmens La Fageda. Dessen Modell, wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Inklusion zu verbinden, wurde für ihn zur Inspiration. Die Wurzeln der AJAC reichen bis in die Jahre 2012/2013 zurück; 2018 formierte sich der Verein offiziell. Die Motivation ist zweigleisig: Einerseits möchte man neu ankommenden Jugendlichen aus Afrika die Integration erleichtern – durch Sprachkenntnisse, kulturelles Verständnis und Vernetzung mit Arbeitsvermittlungsorganisationen. Andererseits, und das ist Kontehs erklärtes Kernanliegen, will man an die Wurzel des Problems. "Mein Traum ist es, dazu beizutragen, das Migrationsproblem zu entschärfen, dass Menschen nicht ihr Leben riskieren müssen", fasst er sein Ziel zusammen.
Vernetzung als Methode in Sant Cugat
In seiner neuen Heimatstadt Sant Cugat ist Tijan Konteh schnell aktiv geworden. Er kooperiert mit Organisationen wie Unipau, Cal Temerari und dem Solidaritätsnetzwerk Xarxa Solidària. Bei Unipau arbeitet er etwa als Jugendbetreuer im Projekt "Teixint Xarxes" (Netze knüpfen), das an mehreren örtlichen Instituten durchgeführt wird. Hier bringt er seine persönliche Perspektive ein, um junge Menschen für kulturelle Unterschiede und globale Realitäten zu sensibilisieren. Sein Engagement versteht er auch als Dank für die Chancen, die er in der Stadt erhalten hat.
Seine familiären Bindungen spiegeln seine transnationale Realität wider: Während seine Eltern und in Spanien geborenen Geschwister in Vic leben, hat er weiterhin eine ältere Schwester, die Großmutter und weitere Verwandte in Gambia, die er regelmäßig besucht.
Quellen: Angaben basieren auf einem Interview mit Tijan Konteh, veröffentlicht durch das Nachrichtenportal der Stadt Sant Cugat.
Quelle: cugat.cat