Neun Jahre Haft für Schein-Ritual

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Granada

Neun Jahre Haft für Schein-Ritual

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Urteil mit Signalwirkung

Die spanische Justiz hat ein deutliches Zeichen gesetzt: Wer religiöse oder spirituelle Praktiken als Vorwand für sexuelle Gewalt missbraucht, kann sich nicht hinter kulturellen Traditionen verstecken. Der Oberste Gerichtshof ( Tribunal Supremo) hat die Verurteilung eines Mannes zu neun Jahren Haft bestätigt, der im Juni 2021 ein 15-jähriges Mädchen in Granada unter dem Vorwand einer "spirituellen Reinigung" missbraucht hat.

Die Tat: Vertrauen als Waffe

Die Fakten sind erschütternd und zeigen eine perfide Masche: Der Täter kannte das Mädchen und wusste, dass es an jenem Morgen allein zu Hause war, während die Eltern arbeiteten. Mit drei Kokosnussschalen in der Tasche erschien er und redete dem Teenager ein, ein Ritual zur "spirituellen Reinigung" durchführen zu müssen. Dass das Mädchen ihn bat aufzuhören, interessierte ihn nicht – die sexuelle Übergriffigkeit war offenbar von Anfang an geplant.

Besonders bemerkenswert ist die Courage des Opfers: Aus Scham und Angst schwieg das Mädchen zunächst, doch eine aufmerksame Nachbarin wurde zur entscheidenden Vertrauensperson und informierte den Vater. Diese Kette aus Zivilcourage und familiärem Zusammenhalt zeigt, wie wichtig ein wachsames soziales Umfeld ist.

Die Beweiskette: Mehr als nur Aussage gegen Aussage

Was dieses Urteil so robust macht, ist die Kombination aus mehreren Beweismitteln: Die Aussage des Mädchens – inzwischen 17 Jahre alt – blieb über den gesamten Prozessverlauf konsistent und detailreich. Ein psychologisches Gutachten stufte ihre Schilderungen als "glaubwürdig" ein. Doch damit nicht genug: Die DNA-Analyse der sichergestellten Kokosnussschalen erbrachte eine genetische Mischung, die sowohl Spuren des Opfers als auch des Täters enthielt. Diese objektiven Beweise machen die Verteidigungsstrategie des Angeklagten, der in Revision gegangen war, endgültig zunichte.

Der Supreme Court wies das Rechtsmittel mit bemerkenswerter Deutlichkeit zurück. Die Strafe: neun Jahre Haft, fünf Jahre Führungsaufsicht, ein zehnjähriges Kontakt- und Annäherungsverbot sowie 6.000 Euro Schmerzensgeld.

Kritische Einordnung

Man mag einwenden, dass neun Jahre für ein derart verwerfliches Verbrechen an einer Minderjährigen nicht übermäßig hart erscheinen. Doch das Urteil ist kein Einzelfall-Urteil, sondern Teil einer justiziellen Linie, die sexuelle Gewalt an Kindern konsequent ahndet. Die spanische Justiz zeigt hier eine bemerkenswerte Sensibilität – gerade auch deshalb, weil sie den Manipulationscharakter der Tat vollständig erkannt hat.

Die Botschaft ist eindeutig: Spirituelle Rituale sind keine Straftäter-Devise. Die Inszenierung eines falschen Rituals zur Täuschung eines Kindes ist kein kulturelles Phänomen, sondern schlicht und ergreifend eine Straftat – und wird als solche behandelt.

Wie das Nachrichtenportal Europa Press unter Berufung auf den Gerichtsbeschluss berichtet, war die Kombination aus Zeugenaussagen, psychologischem Gutachten und den DNA-Spuren auf den Kokosnussschalen für die Bestätigung des Urteils entscheidend. Der Fall wird damit auch über Spanien hinaus zum Präzedenzfall für eine klare Abgrenzung zwischen kultureller Praxis und strafbarer Handlung.


Quelle: europapress.es

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