Warum Granada jetzt streikt

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Andalusien

Warum Granada jetzt streikt

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Weckruf für die Branche

Am 11. und 12. November werden in der Provinz Granada die Bänder stillstehen. Die Gewerkschaften UGT und CCOO haben offiziell zum Streik aufgerufen – und das ist mehr als nur eine symbolische Geste. Es ist der vorläufige Höhepunkt eines Konflikts, den die Arbeitgeberseite offenbar bewusst eskalieren lässt. Wer jetzt noch von "sozialpartnerschaftlichem Dialog" schwafelt, hat die Realität in den Lagerhallen und Verpackungsbetrieben schlicht nicht verstanden.

Der Vorwurf der Gewerkschaften wiegt schwer: Die Patronal weigert sich schlichtweg, den geltenden Tarifvertrag zu erneuern. Nicht etwa, weil man inhaltlich uneins wäre – nein, es geht um die grundsätzliche Verweigerung, überhaupt an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Ein kollektiver Tarifvertrag, der als "veraltet und obsolet" bezeichnet wird, bleibt damit faktisch eingefroren. Das ist kein Verhandlungsgeschick, das ist Blockadehaltung mit Ansage.

Wenn Recht zu spät kommt

Besonders perfide ist die Strategie der Arbeitgeber, auf Zeit zu spielen. Wie die Gewerkschaften gegenüber Europa Press erklärten, wird der Dialog durch die bewusste Verzögerung von Gerichtsverfahren lahmgelegt. Man muss kein Arbeitsrechtler sein, um zu erkennen: Wer die juristische Mühle mahlen lässt, will keine Lösung – er will Ermüdung. Dazu kommt eine ökonomische Gemengelage, die den Druck auf die Beschäftigten weiter erhöht: eine Inflationsrate von fünf Prozent, die die Reallöhne auffrisst, eine zunehmend unsichere Arbeitszeitgarantie und die ständige Gefahr, dass längst erkämpfte Rechte stillschweigend abgebaut werden.

Die Rechnung ist einfach: Während die Lebenshaltungskosten steigen, bleiben die Löhne im Sektor des Obst- und Gemüsehandlings auf dem Stand von gestern. Die Arbeitgeber pokern – und setzen darauf, dass die Belegschaften irgendwann müde werden. Doch genau diese Rechnung könnte nicht aufgehen.

Der Ruf nach dem "Se acabó"

UGT FICA und CCOO Industria rufen die Beschäftigten nun zu einer "massiven Mobilisierung" auf. Das Vokabular ist bewusst gewählt: Man spricht von einem "historischen Streik", von einem Moment, in dem man sagen müsse: "Jetzt ist Schluss." Das ist keine Übertreibung, sondern der Versuch, einer Branche Gehör zu verschaffen, die sonst im Verborgenen arbeitet. Tausende Arbeiterinnen und Arbeiter, überwiegend in der Landwirtschaft und Weiterverarbeitung tätig, warten seit Monaten auf ein Zeichen, dass ihre Arbeit wertgeschätzt wird.

Bemerkenswert ist der zeitliche Ablauf: Bereits am 9. November, also nur zwei Tage vor dem geplanten Ausstand, soll es eine letzte Vermittlungsrunde vor dem andalusischen Schlichtungsdienst Sercla geben. Das ist ein klares Signal: Die Gewerkschaften lassen die Tür für eine Einigung nicht zuschlagen – aber sie sind auch nicht länger bereit, sich mit leeren Versprechungen abspeisen zu lassen.

Die Frage ist nun, ob die Arbeitgeber die Zeichen der Zeit erkennen. Wer glaubt, dass man in Zeiten von Inflation und Unsicherheit Tarifverträge einfach einfrieren kann, der hat die Lektion aus anderen Konflikten in Spanien nicht gelernt. Der Streik ist angekündigt – und er wird kommen, wenn sich bis zum 9. November nichts bewegt.

Quelle: Europa Press


Quelle: europapress.es

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