
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Neue Mängel: Moreno fordert AVE-Gutachten
Die Forderung nach einer lückenlosen Untersuchung der Schnellfahrstrecke zwischen Madrid und Andalusien erhält neuen Auftrieb. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, hat der andalusische Regierungschef Juanma Moreno seine Kritik an der Wartung der Infrastruktur erneuert und eine umfassende technische Prüfung des gesamten Korridors verlangt.
Neue Prüfberichte lassen Zweifel wachsen
Auslöser der erneuten Forderung sind offenbar Erkenntnisse aus dem laufenden Ermittlungsverfahren zum schweren Zugunglück von Adamuz. Dort war es im Januar zu einem folgenschweren Unfall gekommen, bei dem 46 Menschen ums Leben kamen. Wie aus Kreisen der Justiz bekannt wurde, haben die beauftragten Sachverständigen die zuständige Richterin in Montoro (Córdoba) gebeten, von der Bahninfrastrukturgesellschaft Adif die Messprotokolle für den betroffenen Streckenabschnitt anzufordern. Diese Unterlagen sollen Aufschluss über den Zustand der Gleise vor und nach dem Unglück geben. Ein zentraler Punkt der laufenden Prüfungen ist die Frage, ob es in dem Bereich trotz des Unglücks weiterhin zu sicherheitsrelevanten Auffälligkeiten kommt.
Kritik an jahrelanger Vernachlässigung
Moreno, der zugleich Parteichef der konservativen PP in Andalusien ist, wertet die neuen Hinweise als Beleg für ein strukturelles Problem. Er verwies auf einen „dubiosen Wartungszustand“ in der Vergangenheit, insbesondere in der Amtszeit des früheren Verkehrsministers José Luis Ábalos, der inzwischen inhaftiert ist. „Es verwundert, dass ausgerechnet an der Stelle, an der sich vor wenigen Monaten eine derart schwere Katastrophe ereignet hat, erneut Mängel festgestellt werden“, wird der Politiker in der Agenturmeldung zitiert. Seine Forderung nach einer umfassenden technischen Inspektion der gesamten Strecke begründete er mit jahrelanger Vernachlässigung, die zu zahlreichen Unregelmäßigkeiten geführt habe.
Persönliche Konsequenzen angedeutet
Der Regierungschef bekräftigte in dem Interview, vorerst nicht wieder in einen Hochgeschwindigkeitszug einzusteigen. Die Häufung von Störungen, darunter ein Bericht über ein schwerwiegendes Sicherheitsproblem im Südkorridor, das im Durchschnitt alle zwei Tage aufgetreten sein soll, untergrabe das Vertrauen in die Zuverlässigkeit des Systems. Er forderte nicht nur den Rücktritt des Verkehrsministers Óscar Puente, sondern kritisierte auch das Fehlen jeglicher personeller Konsequenzen bei dem Infrastrukturbetreiber Adif.
Debatte um Verantwortlichkeiten verschärft sich
Für seine deutliche Kritik erntete der Andalusier jedoch auch Widerspruch. Die Debatte über die Verantwortung für das Unglück entwickelt sich zunehmend zu einem politischen Schlagabtausch. Moreno wies in diesem Kontext die Darstellung zurück, seine Partei verzögere notwendige Konsequenzen. Er verwies auf frühere Rücktritte von PP-Politikern in anderen Krisensituationen, etwa in Valencia oder bei einem früheren Vorfall in Andalusien. Gleichzeitig warf er der Regierung in Madrid vor, die Sicherheitsbedenken von Gewerkschaften und Lokführern über Jahre ignoriert zu haben.
Der Politiker zeigte sich zuversichtlich, dass ein Regierungswechsel nach der kommenden Wahl im November zu einer prioritären Überprüfung und Sanierung der Strecke führen würde. Nur so lasse sich das Vertrauen der Fahrgäste zurückgewinnen und ein Verkehrsmittel erhalten, das einst als Vorzeigeprojekt galt.
Quelle: europapress.es