
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Ex-Chauffeur von Sánchez im Koldo-Fall festgenommen
Festnahme im Zuge der Korruptionsermittlungen
Die spanische Guardia Civil hat im Rahmen ihrer Ermittlungen zur sogenannten Koldo-Affäre einen Unternehmer aus Córdoba festgenommen. Es handelt sich um Cristian Corvillo, der im Jahr 2017 während der Vorwahlen der Sozialistischen Partei (PSOE) als Fahrer für Pedro Sánchez tätig war. Die Festnahme erfolgte am Donnerstag im Auftrag des Ermittlungsrichters Ismael Moreno von der Audiencia Nacional.
Der Richter hatte erst zwei Tage zuvor ein neues, zunächst als geheim eingestuftes Ermittlungsverfahren eröffnet. Grundlage hierfür war ein aktueller Bericht der Ermittler. Insgesamt wurden sechs Personen festgenommen, darunter neben Corvillo auch Andrea de la Torre, die derzeitige Partnerin des früheren Verkehrsministers José Luis Ábalos. Alle Festgenommenen wurden nach ihrer Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt.
Durchsuchungen in mehreren Städten
Die Einsatzkräfte führten zeitgleich Durchsuchungen an mehreren Orten durch. Neben dem Wohnsitz des Ex-Ministers Ábalos in Valencia wurde auch das Haus von Corvillo in Córdoba durchsucht. Zusätzlich forderten die Ermittler Unterlagen von den Eisenbahninfrastrukturunternehmen Adif und Adif Alta Velocidad in Madrid an.
Die Durchsuchung des Anwesens von Corvillo in Córdoba begann am frühen Morgen und endete erst nach 15 Uhr. Der Unternehmer verließ sein Haus ohne Handschellen, begleitet von zwei Beamten der Guardia Civil. Anschließend verließen Corvillo und die Beamten das Viertel in einem Fahrzeug, gefolgt von einem weiteren Auto mit einem UCO-Mitglied. Drei weitere Beamte blieben zurück, um den Wagen des ehemaligen Chauffeurs zu untersuchen.
Reaktionen aus Regierung und Partei
Regierungschef Pedro Sánchez distanzierte sich umgehend von den Verhaftungen. Auf einer Pressekonferenz nach dem iberoamerikanischen Gipfeltreffen in Madrid erklärte er mit Blick auf Corvillo: „Keine dieser Personen hat irgendetwas mit mir zu tun.“ Zur laufenden Untersuchung der Audiencia Nacional merkte er an, es scheine sich „nicht um etwas Neues“ zu handeln, da der Fall bereits seit einigen Jahren untersucht werde.
Der PSOE-Kreisverband von Córdoba betonte in einer Stellungnahme, dass Corvillo lediglich einfaches Parteimitglied sei. Er bekleide „keinerlei organisatorisches oder institutionelles Amt im Namen der PSOE“, hieß es in der Erklärung. Die Partei werde „in der Folge handeln, sobald die Ergebnisse der Untersuchung und das laufende Gerichtsverfahren vorliegen“. Zugleich verwies man darauf, dass die Parteimitgliedschaft in Spanien ein verfassungsmäßig geschütztes Grundrecht darstelle. Ein Parteiausschluss sei nach den internen Statuten nur bei rechtskräftigen Verurteilungen wegen schwerer Straftaten möglich, insbesondere bei Korruptionsdelikten.
Politische Laufbahn und Kurswechsel
Cristian Corvillo trat der PSOE im Jahr 2002 bei. Seine politischen Aktivitäten konzentrierten sich zunächst auf Peñarroya-Pueblonuevo, eine Gemeinde in der Provinz Córdoba, wo er auch sein unternehmerisches Engagement startete. 2015 wurde er in einer Mitgliederversammlung mit 76,6 Prozent der Stimmen zum Kandidaten für das Bürgermeisteramt gekürt. Die Provinzleitung entschied sich jedoch letztlich für einen anderen Bewerber.
Nach lokalen Medienberichten gehörte Corvillo dem Provinzausschuss der Partei an und fungierte als alleiniger Geschäftsführer der Firma Grupo Egisse Servicios Asistenciales. Das 2009 gegründete Unternehmen war in Bereichen wie Bildung, Reinigung, Sicherheitsdienst und häuslicher Pflege tätig. Zudem bekleidete er die Position des Vize-Sekretärs in der Sozialistengruppe Ciudad Jardín in Córdoba.
Bemerkenswert ist sein politischer Wandel: Vor seiner Unterstützung für Pedro Sánchez hatte er sich für Eduardo Madina und später für Susana Díaz ausgesprochen. In Sozialen Netzwerken veröffentlichte er 2015 Botschaften wie „Viel Glück Susana. Andalusien steht links von Spanien. Ich bin bei Susana“.
Wandel zum Sánchez-Unterstützer
Erst 2017 wechselte Corvillo die Seiten und unterstützte Pedro Sánchez bei dessen Bemühungen, den Parteivorsitz zurückzugewinnen. Während des Wahlkampfs teilte er ein Bild, das Sánchez in Freizeitkleidung beim Essen von Paella zeigte, mit der Botschaft: „Sie sagten mir immer, es sei nicht der richtige Zeitpunkt. Sie lagen falsch. Ich werde ihn nutzen. Für mich und für euch: Stimmt für Pedro Sánchez.“
Auch nach den Vorwahlen blieb Corvillo dem Regierungschef verbunden. Am Tag der Exhumierung der sterblichen Überreste von Francisco Franco aus dem Valle de los Caídos im Jahr 2019 veröffentlichte er ein Foto mit Sánchez und bezeichnete ihn als „einen der besten Präsidenten Spaniens“.
Verbindungen zu zentralen Figuren des Skandals
Der Name Corvillo taucht seit 2024 in den Ermittlungsakten des Koldo-Falls auf. Ein Richterbeschluss verwies auf mögliche geschäftliche Verbindungen zwischen Corvillo, seinem Bruder Rubén Jonás und dem mutmaßlichen Drahtzieher Víctor de Aldama. Die beiden Brüder könnten „gesellschaftsrechtliche Interessen mit Aldama und seinen Partnern teilen“ und mit Koldo García zusammengetroffen sein.
Konkret soll die Firma Corvillo Energy, die mit dem Bruder Rubén in Verbindung steht, im Mai 2022 Anteile an der Gesellschaft MTM 180 Capital erworben haben. Diese Firma nutzte Aldama für Verträge mit dem Unternehmen Soluciones de Gestión und erhielt darüber Zahlungen in Höhe von 3,3 Millionen Euro aus öffentlichen Aufträgen für Maskenbeschaffungen.
Die Ermittler konnten zudem nachweisen, dass sich Corvillo und Aldama Tage vor der Unterzeichnung notarieller Dokumente in einem Hotel in Málaga aufhielten. Die Akten dokumentieren außerdem Treffen zwischen Corvillo und Koldo García zwischen 2019 und 2021 in verschiedenen Hotels in Andalusien. Diese Zusammenkünfte fielen zeitlich mit Reisen von Ábalos in die Region zusammen.
Wie die Tageszeitung 20 Minutos berichtet, wurden die Verbindungen im März 2024 öffentlich bekannt.
Quelle: 20minutos.es