Iryo will Beweise nach Madrid schaffen

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Córdoba

Iryo will Beweise nach Madrid schaffen

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Streit um Beweissicherung nach Zugunglück

Monatelang standen die Waggons der verunglückten Iryo-Garnitur unter Verschluss. Jetzt eskaliert der Streit um die Frage, wie die Spuren des schweren Unfalls gesichert werden können. Die Betreibergesellschaft ILSA fordert einen ungewöhnlichen Schritt: Die entscheidenden Bauteile sollen nicht auf der Schiene, sondern per Lkw in eine Werkstatt bei Madrid gebracht werden.

Was nach einer logistischen Detailfrage klingt, ist in Wahrheit ein heikler Punkt der Unfallaufklärung. Die Staatsanwaltschaft und die Ermittlungsbehörden müssen entscheiden, ob sie dem Antrag des Unternehmens folgen. Die Uhr tickt, denn mit jedem Tag steigt das Risiko, dass wichtige Spuren verloren gehen oder verändert werden.

Sicherheitsbedenken als Argument

ILSA begründet den Vorstoß mit handfesten technischen Problemen. Ein Abtransport der kompletten Waggons per Bahn nach Toledo, wie bisher geplant, sei riskant. Die Achsen, die bei dem Entgleisungsunglück am 18. Januar massiv belastet wurden, könnten bei der rund 300 Kilometer langen Fahrt weiteren Schaden nehmen. Nur zwei der fünf betroffenen Drehgestelle seien derzeit mit Schutzvorrichtungen versehen – der Rest müsse direkt auf der Schiene rollen.

„Eine sichere Beförderung mit Schutzvorrichtungen an allen Achsen ist technisch nicht möglich“, heißt es in dem Schreiben an die Guardia Civil. Die vier Wochen Stillstand hätten zudem die vorhandenen Sicherungen unberechenbar gemacht. Ein Ersatz sei nicht ohne Weiteres möglich, was weitere Verzögerungen bedeuten würde.

Renfes Werkstatt offenbar ungeeignet

Besonders brisant: Die von Renfe angebotene Wartungsbasis in La Sagra bei Toledo entspricht offenbar nicht den Anforderungen. Wie ILSA betont, fehlen dort Gruben und Hebebühnen, um die Unterseiten der Waggons gründlich zu untersuchen. Der geplante Raum biete kaum bessere Bedingungen als der provisorische Abstellort in Villanueva de Córdoba.

Ein Abtransport per Schiene wäre zudem ein logistischer Albtraum. Die Fahrt müsste nachts und am Wochenende erfolgen, wenn der Verkehr auf der Strecke geringer ist. Selbst dann wäre eine einzige Nacht nicht ausreichend, was eine Zwischenlagerung auf offener Strecke nötig machen würde. Das Unternehmen spricht von einem „langen und komplexen Prozess“, der die Ermittlungen unnötig in die Länge ziehen würde.

Kritik an Ermittlungsbehörden

Die Argumentation der Zugbetreiber enthält einen deutlichen Seitenhieb auf die bisherige Untersuchung. Man sei gezwungen, die Initiative zu ergreifen, da die derzeitige Situation die Spurensicherung beeinträchtige. Die Forderung nach einer Inspektion der Unterbauten ist dabei nur der erste Schritt. Später sollen die Waggons für die Reparatur freigegeben werden.

Die Ermittler stehen nun vor einem Dilemma: Ein Lkw-Transport der Achsen erleichtert zwar die technische Untersuchung, entfernt aber zentrale Beweisstücke vom Ort des Geschehens. Die Entscheidung könnte richtungsweisend für die Aufklärung der bislang ungeklärten Ursache des Unglücks sein, bei dem 46 Menschen starben und mehr als 120 verletzt wurden. Wie Europa Press berichtet, hat die Guardia Civil den Antrag zur Prüfung vorliegen.


Quelle: europapress.es

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