
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Hebammen schlagen Alarm in Marbella
Überlastung im Kreißsaal
Die Hebammen des Hospital Universitario Costa del Sol in Marbella schlagen Alarm. In einem Schreiben an die Krankenhausleitung und die Personalabteilung, das 37 Fachkräfte unterzeichnet haben, bezeichnen sie die Lage in ihrer Abteilung als „kritisch“. Wie die Zeitung SUR berichtet, fordern sie „mit Nachdruck“ die Einstellung weiterer Kolleginnen und Kollegen. Die aktuelle Besetzung sei schlichtweg nicht mehr in der Lage, den Klinikbetrieb sicher aufrechtzuerhalten und Notfälle angemessen zu versorgen.
Mehr als nur Geburtshilfe
Die Abteilung ist nicht allein für die Betreuung von Schwangeren und die Begleitung von Geburten zuständig. Sie ist auch die erste Anlaufstelle für gynäkologische und geburtshilfliche Notfälle in der gesamten Region zwischen Manilva und Fuengirola. Bei einer täglichen Arbeitszeit von zwölf Stunden führt der Personalmangel zu einer gefährlichen Verdichtung. Konkret verweisen die Beschäftigten auf den vergangenen Oktober: An vier Schichten waren nur drei statt der üblichen vier Hebammen im Dienst, in einer weiteren Schicht sogar nur zwei. Eine derartige Reduzierung der Einsatzbereitschaft sei eine ernste Gefahr für die Patientinnen.
Urlaub ja, Alltag nein
Der Engpass ist kein neues Phänomen. Bisher wurde das Defizit vor allem in den Sommermonaten und im September durch sogenannte Erreichbarkeitsdienste – bezahlte Überstunden zu Sonderkonditionen – übertüncht. Doch diese Brückenlösung, so stellen die Hebammen klar, sei längst nicht mehr tragfähig. Hinzu kommt ein weiteres strukturelles Problem: Mehrere Kolleginnen haben ihre Arbeitszeit reduziert, was gesetzlich möglich ist. Der andalusische Gesundheitsdienst (SAS) ist verpflichtet, diese Ausfälle auszugleichen. Aktuell geschieht das in sieben Fällen nicht, ein weiterer Vertrag steht noch aus. Die verbleibenden Teams müssen die Arbeit zusätzlich stemmen, was für eine nicht akzeptable Mehrbelastung sorge.
Das Bewerbungsverfahren als Bremse
Die Verantwortlichen verweisen unterdessen auf einen leeren Bewerberpool. Aus Sicht der Klinikmitarbeiter ist das jedoch keine hinreichende Erklärung. Sie kritisieren, dass keine außerordentliche Ausschreibung gestartet wird. Besonders ärgerlich: Der jüngste Jahrgang der Hebammenschule hat im Mai seinen Abschluss gemacht – drei Monate nachdem die letzte Bewerbungsfrist für die Jobbörse des SAS verstrichen war. Die frischgebackenen Fachkräfte sind damit für das Verfahren unsichtbar.
Konkrete Forderungen an die Leitung
Die Belegschaft fordert daher ein sofortiges Sonderverfahren zur Einstellung, das auch die Absolventinnen und Absolventen des aktuellen Jahrgangs berücksichtigt. Zudem verlangen sie die zeitnahe Besetzung aller offenen Stellen und reduzierten Arbeitszeiten. Um den Notbetrieb zu beenden, müsse es wirksame Verstärkung geben, damit keine Schicht mehr unterbesetzt ist. In einem nächsten Schritt wollen die Hebammen ein dringendes Gespräch mit der Führungsebene führen. Dort soll es nicht nur um einen verbindlichen Einstellungsplan gehen, sondern auch um eine schriftliche Bestätigung der vereinbarten Schritte.
Quelle: diariosur.es