96 Prozent des Lohns fürs Wohnen

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Valencia

96 Prozent des Lohns fürs Wohnen

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Kaum Chancen auf eigenes Wohnen

Wer in der Valencianischen Gemeinschaft jung ist und alleine leben möchte, steht vor einer enormen finanziellen Hürde. Laut dem Observatori d'Emancipació 2025 des Consell Valencià de la Joventut (CVJ) müssen junge Menschen dort satte 96 Prozent ihres Gehalts für die Miete aufwenden. Wer stattdessen eine Immobilie kaufen will, spart rechnerisch vier Jahre lang sein komplettes Einkommen, um nur die Anzahlung für die Hypothek stemmen zu können.

Die Zahlen zeigen eine düstere Entwicklung: Die Quote der jungen Erwachsenen, die sich ein eigenes Zuhause leisten können, sinkt auf 14,4 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit der Pandemie – und der Trend zeigt weiter nach unten. Damit wird Wohnen zum zentralen Problem der Generation zwischen 16 und 30 Jahren.

Mieten steigen, Kaufpreise explodieren

Auf dem Mietmarkt hat sich die Lage innerhalb eines Jahres drastisch verschärft. Die Durchschnittsmiete kletterte um 9,6 Prozent auf 1.000 Euro pro Monat. Auch bei den Kaufpreisen ging es kräftig nach oben: Je nach Lage und Zustand der Immobilie verteuerten sich Wohnungen und Häuser um rund 15 Prozent. Vor diesem Hintergrund überrascht es wenig, dass fast die Hälfte der ausgezogenen jungen Menschen (48 Prozent) zur Miete wohnt. Weitere 29,5 Prozent leben in den eigenen vier Wänden, müssen dafür aber einen Kredit abbezahlen.

Esther Martínez, Präsidentin des CVJ, sieht die jungen Menschen systematisch vom Wohnungsmarkt ausgeschlossen. Sie fordert von den Behörden ein aktiveres Eingreifen, statt tatenlos zuzusehen, „wie eine ganze Generation ihre Lebenspläne aufgibt, verschiebt oder umschreibt, weil keine würdigen Bedingungen existieren“.

Arbeit schützt nicht vor Armut

Ein Lichtblick: Die Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen in der Region ist gesunken – auf 12 Prozent bei den 25- bis 29-Jährigen. Doch das täuscht über ein fundamentales Problem hinweg. Das durchschnittliche Jahresgehalt eines jungen Menschen in der Valencianischen Gemeinschaft liegt bei mageren 12.475 Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist das real sogar 0,5 Prozent weniger. Die Löhne stagnieren, während die Kosten für das tägliche Leben unaufhörlich steigen.

Entsprechend ernüchternd sind die Folgen: 35 Prozent der jungen Valencianer gelten als armutsgefährdet. Besonders bitter: 32,4 Prozent von ihnen sind trotz eines Jobs von Armut bedroht. „Ein Arbeitsplatz reicht offenbar nicht mehr aus, um ein stabiles und würdevolles Leben zu führen“, betont Martínez. „Junge Menschen rutschen trotz Beschäftigung in prekäre Verhältnisse ab, oft reicht das Geld nicht einmal für die Grundbedürfnisse.“

Landflucht in die eigene Wohnung

Die Krise zeigt sich auch in konkreten Lebensentscheidungen. Nur 25 Prozent der 25- bis 29-Jährigen mit Hochschulabschluss haben den Schritt in die eigenen vier Wände geschafft. Bei den berufstätigen Gleichaltrigen sind es 37 Prozent. Und selbst in der Altersgruppe der 30- bis 34-Jährigen leben nur drei von zehn Menschen in einer eigenen Wohnung.

Für Martínez ist die Botschaft eindeutig: Weder Bildung noch ein sicherer Job garantieren heutzutage die Möglichkeit, ein unabhängiges Leben zu führen. Der CVJ fordert deshalb mutige politische Konzepte und einen Dialog mit der Politik. „Die Lage ist kritisch“, so Martínez, „das, was bisher getan wird, reicht bei Weitem nicht aus.“ Die Organisation verweist auf Studien der Universität Jaume I, die alternative Wohnungsmodelle aus anderen EU-Ländern untersuchen und als Vorbild für Spanien dienen könnten. Wie der Consell Valencià de la Joventut weiter mitteilt, soll der Bericht als Grundlage für neue politische Ansätze dienen.


Quelle: europapress.es

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