
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Madrids A5-Verkehrskollaps beginnt am 10. November
Ein Verkehrsinfarkt namens Fortschritt
Wer glaubt, Madrids Verkehrsinfrastruktur sei am Limit, der hat die Rechnung ohne die Bauarbeiter gemacht. Während die Stadt sich auf Weihnachten vorbereitet, beginnt für Tausende Pendler ein Albtraum: Die Lebensader zwischen A-5 und M-30 wird am 10. November in beide Richtungen gekappt – für volle 43 Tage. Das ist kein Schönheitsfehler, das ist eine Ansage an jeden, der im Südwesten der Hauptstadt wohnt oder arbeitet.
Die Stadtverwaltung verkauft das Ganze als alternativlos. Borja Carabante, zuständig für Stadtentwicklung, spricht von den „letzten Arbeiten“ des milliardenschweren Soterramento-Projekts. Es fehlen genau 172 Meter, um den neuen Tunnel mit dem bestehenden an der Avenida de Portugal zu verbinden. 128 Fertigträger müssen verbaut, 7.000 Kubikmeter Erde bewegt werden. Das klingt nach beeindruckender Ingenieurskunst – doch für die Betroffenen klingt es vor allem nach einer Zumutung.
Der Schulterschluss der Bequemlichkeit
Carabante bittet um „Geduld“, gesteht ein, dass die ersten Tage „sehr kompliziert“ werden. Diese Einsicht kommt spät und hilft wenig. Denn die Warnung ist keine Vorsichtsmaßnahme, sondern eine Bankrotterklärung an die eigene Planung. Wer jetzt noch behauptet, der Ballungsraum Madrid habe den Individualverkehr im Griff, dem sei die M-30 als Gegenbeweis empfohlen.
Die Rettung soll ausgerechnet vom ÖPNV kommen. Die EMT verstärkt ihre Flotten der Linien 31, 36, 39, 138 und 158 um bis zu 15,4 Prozent – ab Ende November bis zu 25 Prozent. Das klingt gut, ist aber nur die halbe Wahrheit. Diese Verstärkung gleicht gerade einmal die durch die Sperrung verlorene Kapazität aus. Es ist keine Verbesserung, es ist Schadensbegrenzung auf Kosten der Fahrgäste, die die Wahl zwischen überfüllten Bussen oder dem Stau auf der M-40 haben.
Der Traum vom Fließverkehr
Bleibt die Frage, warum die Stadt nicht mit den Gepflogenheiten der letzten Jahre gebrochen hat. Bisher wurde gesperrt, was die Sommerhitze erträglich machte – jetzt kommt die Vollsperrung ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit. Die Umleitungsempfehlungen zeigen, wie verzweifelt die Lage ist: Die M-40 soll als Ausweichroute dienen, Autofahrer sollen über A-42, A-6 oder gar den Yébenes-Enlace ausweichen.
Für Vielfahrer ist das keine Lösung, sondern eine Einladung zum Chaos. Die Stadt verspricht kontinuierliches Monitoring und Anpassungen. Ein Versprechen, das man in Madrid schon gehört hat – vor allem in Projekten, die sich als Katastrophen entpuppten. Es bleibt zu hoffen, dass die Technokraten im Palacio de Cibeles diesmal schneller lernen als ihre Vorgänger.
Wie Europa Press berichtet, bleibt die Kernfrage unbeantwortet: Warum musste der verkehrsreichste Knotenpunkt der Stadt ausgerechnet in den Wochen vor Weihnachten kollabieren? Die Antwort darauf bleibt Carabante schuldig – denn sie wäre politisch brisant: Planungspanne oder bewusste Risikobereitschaft, eines von beidem ist es sicherlich.
Quelle: europapress.es