Madrider Ärzte pochen auf Verhandlungen

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Madrider Ärzte pochen auf Verhandlungen

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Streikfortsetzung nach Unfallpause

In Madrid hat die Ärzteschaft ihren regionalen Ausstand wieder aufgenommen. Nachdem zwei geplante Streiktage in der Vorwoche wegen des schweren Zugunglücks von Urda in Toledo abgesagt worden waren, versammelten sich am Mittwoch erneut Dutzende Mediziner vor dem Sitz des Gesundheitsministeriums in der Calle Aduana. Die Protestierenden forderten in weißen Kitteln mit Transparenten wie „Für eine würdige Gesundheit für Ärzte und Patienten“ ein Ende der Blockadehaltung der Behörde.

Kritik an ausbleibender Gesprächsbereitschaft

Die Gewerkschaftssprecherin Ángela Hernández von der Ärztevereinigung Amyts übte scharfe Kritik an der politischen Führung. Der zuständigen Ministerin Fátima Matute warf sie vor, bislang jede direkte Auseinandersetzung mit dem Streikkomitee vermieden zu haben. Man habe lediglich drei als ergebnislos empfundene Treffen auf Ebene der Personalabteilung geführt. Hernández betonte: „Die Region trägt die Verantwortung für 85 bis 90 Prozent unserer Arbeitsbedingungen.“

Arbeitgeber in der Pflicht

Die Gewerkschaft argumentiert, dass die Comunidad de Madrid als Hauptarbeitgeber der geforderten Verbesserungen in den Bereichen Entlohnung und Arbeitszeit maßgeblich gestalten müsse. Zwar setze der Staat den rechtlichen Rahmen, doch die konkrete Ausgestaltung liege in der Hand der Region. Der aktuelle Ausstand umfasst nach Gewerkschaftsangaben bereits 25 Streiktage in diesem Jahr. Man habe den Kampf nach einer vorübergehenden Unterbrechung im Sommer nun gezielt auf die Ebene der Regionalregierung fokussiert, da ein nationaler Dialogpartner wegen der vorgezogenen Neuwahlen fehle.

Ungelöste Konflikte und Forderungen

Das Streikkomitee, dem neben Amyts auch die Vereinigungen AME, Stop Peonadas, MUD und SIME-Csit Unión Profesional angehören, kritisiert die ausbleibende Umsetzung von Zusagen aus einem letzten Treffen im Juli. Damals habe man sich auf einen Gesprächsplan verständigt, seither sei jedoch nichts passiert. Die Liste der Beschwerden umfasst nach Angaben der Organisatoren rund 20 Seiten, die sich auf den Krankenhausbereich, die ambulante Versorgung, das Rettungssystem Summa 112 und die Situation der Assistenzärzte beziehen.

Konkret fordern die Mediziner die Rückkehr zur 35-Stunden-Woche sowie einen Ausgleich für die proportionalen Kürzungen der Sonderzahlungen aus dem Jahr 2010. Andere Regionen wie Katalonien oder das Baskenland hätten diese bereits rückgängig gemacht. Die Gewerkschaft spricht von einem Kaufkraftverlust von rund 20 Prozent. Zudem verlangt sie eine eigene Tarifkommission für die ärztlichen Fachgruppen. Bei der Frage der verpflichtenden Bereitschaftsdienste signalisierte Hernández Kompromissbereitschaft für eine Übergangsfrist, lehnte aber die aktuellen Bedingungen als „halb-sklaverisch“ ab.

Protest zieht zum Parlament

Nach der Kundgebung vor dem Ministerium zogen die Demonstranten zum nahegelegenen Kongress, dem spanischen Unterhaus. Die Gewerkschaft wollte damit ein Zeichen setzen, dass ihre Kritik auch bundespolitisch gilt. Hernández warf den Parteien vor, das Gesundheitswesen nur für Wahlkampfzwecke zu instrumentalisieren – sei es für unberechtigte Eigenlobpreisung oder gegenseitige Schuldzuweisungen. Ärzte und Patienten dürften nicht länger zum Spielball politischer Interessen werden. Eine Ansprechpartnerin auf nationaler Ebene fehle derzeit allerdings wegen der anstehenden Parlamentswahlen am 29. November. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, ist die Lage weiterhin verfahren.


Quelle: europapress.es

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