Gutachter zweifeln an Adifs Kontrolle vor dem Desaster

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Córdoba

Gutachter zweifeln an Adifs Kontrolle vor dem Desaster

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Ein fatales Timing

Die deutsche Redewendung „Knapp daneben ist auch vorbei“ bekommt im Fall der Bahnkatastrophe von Adamuz eine bittere Bedeutung. Gerade einmal 30 Tage lagen zwischen der offiziellen Abnahme der renovierten Gleisanlagen durch Adif und dem tödlichen Unfall am 18. Januar, bei dem 46 Menschen starben. Genau diese Drastik des Zeitplans macht die Ermittlungen nun umso brisanter. Die drei von der Justiz bestellten Gutachter wollen es jetzt ganz genau wissen – und ihre Fragen sind ein schwerer Schlag gegen die Selbstsicherheit des staatlichen Infrastrukturbetreibers.

Der Vorwurf: Ein gefährliches Muster

Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, haben die Peritos einen umfangreichen Forderungskatalog an die zuständige Richterin in Montoro gerichtet. Es geht ihnen nicht um Kleinigkeiten, sondern um die Grundfesten der Sicherheitskultur bei Adif. Die Experten wollen sämtliche Messdaten (Auskultationen) der Gleise im Unglücksabschnitt einsehen – und zwar nicht nur die nach dem Crash, sondern vor allem die während der Bauphase. Bisher fehlen offenbar alle Aufzeichnungen aus der Zeit der eigentlichen Arbeiten. Übrig sind lediglich Messergebnisse vom Oktober 2025, also kurz vor der besagten Abnahme. Das wirft Fragen auf, denen sich Adif stellen muss.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt

Besonders pikant wird die Angelegenheit durch den aktuellen Antrag von Adif auf neue Wartungsarbeiten an genau den Weichen 631 und 632 in Adamuz. Die Gutachter halten fest, dass an diesen Bauteilen nun ein sogenanntes „Bateo“ – also das Anheben und Ausrichten des Gleises – notwendig ist. An mindestens drei Stellen wurden Deformationen festgestellt, die teils den Eingreifwert überschreiten. Für die Peritos ist das ein Déjà-vu: Exakt solche Auffälligkeiten zeigten sich laut ihren Erkenntnissen auch im Oktober 2025 am Unglückspunkt Kilometer 318,681, wo später die Schweißnaht riss. Es ist ein fatales Muster, das sich hier abzeichnet – und die Gutachter fragen sich offen: Wie konnte eine derart anfällige Strecke überhaupt abgenommen werden?

Schlüsselloch-Argumentation statt Transparenz

Statt einer umfassenden Aufklärung erlebt die Öffentlichkeit derzeit das Gegenteil. Adif versucht, die neuen Wartungsarbeiten als „dringend und notwendig“ zu verkaufen – aber die Gutachter lassen das nicht gelten. Sie sprechen von „mehreren relevanten Zweifeln“, die es zu klären gelte. Die zentrale Frage lautet: Wie kann eine Infrastruktur, die Millionen verschlungen hat und gerade erst renoviert wurde, derart schnell wieder an kritischen Punkten versagen? Der Blick auf das Kleingedruckte zeigt: Die Arbeiten zur Renovierung der Weichen befinden sich immer noch in der Gewährleistungsfrist. Das ist ein Armutszeugnis für die Qualitätskontrolle des Betreibers.

Das Schweigen der Verantwortlichen

Während die Hinterbliebenen um Antworten ringen, mauert Adif. Die Anfragen der Gutachter nach dem vollständigen Verwaltungsvorgang, den technischen Lastenheften und den Materialprüfungen stoßen offenbar auf eine Wand. Das jüngste Manöver des Konzerns, die Wartungsarbeiten als unumgänglich darzustellen, entlarvt die Verbindung zum Unglücksfall. Die Gutachter fordern nun von der Richterin, die entsprechenden Dokumente per Gerichtsbeschluss anzufordern. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Adif weiter auf der „Vertrauensvorschuss“-Schiene fährt – oder ob die Behörde endlich begreift, dass Schweigen keine Option ist, wenn es um die Sicherheit von Menschenleben geht. Die Uhr tickt, und jedes ausweichende Dokument ist ein weiterer Beweis für eine Unternehmenskultur, die die Kontrolle offenbar erst nach der Katastrophe sucht.


Quelle: europapress.es

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