Renfe weist Schuld von sich

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Córdoba

Renfe weist Schuld von sich

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Ein unbequemer Verweis

Die spanische Staatsbahn Renfe hat nach den jüngsten schweren Unfällen in Urda (Toledo) und Adamuz (Córdoba) eine klare Ansage gemacht: Man sei nicht verantwortlich. In einer offiziellen Stellungnahme verweist das Unternehmen darauf, dass die Aufgaben der Wartung, Instandhaltung und Verwaltung der Schieneninfrastruktur nicht in seinen Zuständigkeitsbereich fielen. Renfe sei "ausschließlich" für den Transport von Passagieren und Gütern zuständig. Eine Verbindung der Unglücke mit angeblichen Sicherheitsmängeln des eigenen Materials oder der Arbeitsorganisation sei "sinnlos", so der Konzern.

Ein Spiel mit der Zuständigkeit

Diese Argumentation ist juristisch sauber, aber öffentlichkeitswirksam heikel. Es ist ein bekanntes Phänomen im spanischen Bahnsektor: Die Trennung von Infrastrukturbetreiber (Adif) und Zugbetreiber (Renfe) führt regelmäßig zu Verantwortungsdiffusion. Für die Hinterbliebenen der Opfer, etwa des tödlichen Unfalls vom vergangenen Mittwoch, wirkt diese Zuschusterei wie Hohn. Ihnen nützt es wenig, zu erfahren, dass theoretisch eine andere staatliche Behörde für die Gleise zuständig ist. Die Frage, die sich stellt: Ist es legitim, sich durch einen Verwaltungsakt aus der moralischen Verantwortung zu stehlen, nur weil die rechtliche Zuständigkeit geteilt ist? Gerade in einem Land, das noch immer unter den Folgen des schweren Zugunglücks von Santiago de Compostela im Jahr 2013 leidet, ist das politische Pulver trocken.

Der Verweis auf die Personaldecke

Renfe versucht zudem, die Debatte zu versachlichen, indem es auf die eigenen Anstrengungen verweist. Man habe die größte Personalaufstockung der letzten 20 Jahre vorgenommen. Konkret nennt das Unternehmen die Einstellung von 1.999 neuen Mitarbeitern in diesem Jahr, eine verbesserte Besetzung der Betriebsleitzentrale, eine neue Berufskategorie sowie die Präsenz von Zugbegleitern in allen Zügen. Diese Maßnahmen – so die Botschaft – sollten Sicherheit und Qualität gewährleisten.

Doch genau hier liegt der Widerspruch, den sich das Unternehmen selbst zuschreibt. Wenn Renfe die Sicherheit durch mehr Personal und Kontrolle spürbar erhöhen will, warum wird dann bei der Infrastruktur so strikt den Ball flach gehalten? Die Erhöhung der Personalkosten von 1.058 auf 1.236 Millionen Euro wird von der Bahn als Investition in die Zukunft verkauft. Kritiker könnten jedoch einwenden, dass diese Investition zu spät kommt und der Fokus auf die Rekrutierung von Bürokräfte nicht die strukturellen Probleme der maroden Strecken löst.

Der Preis der Selbstverteidigung

Das Kommuniqué von Renfe ist der verzweifelte Versuch, in einem Shitstorm aus Schadensersatzforderungen und politischem Druck die Kontrolle zu behalten. Die Beteuerung, die Opfer hätten die "größte Sorge" des Unternehmens, wirkt in diesem Kontext wie eine rhetorische Pflichtübung. Die Ankündigung, man werde "vollständig" mit den Ermittlungen kooperieren, ist der Standard-Satz einer jeden Pressestelle. Solange die Staatsbahn jedoch nur auf die formale Rechtslage pocht und sich gleichzeitig in einer Opferrolle als öffentlich Angeprangerte wähnt, bleibt der eigentliche Kern des Problems ungelöst: die chronische Unterfinanzierung der Bahninfrastruktur und ein System, das bei der kleinsten Krise den Schwarzen Peter weiterschiebt.

Renfe hat in der Vergangenheit bewiesen, dass es bei der Digitalisierung und dem Kundenservice Fortschritte machen kann. Doch der richtige Umgang mit der eigenen Fehlerkultur steht noch aus. Einem Unternehmen, das sich als Dienstleister der Nation sieht, sollte es nicht nur um die rechtliche Absicherung, sondern um die Rückgewinnung des Vertrauens der Bürger gehen – und das gelingt nicht mit Verweisen aufzufindender Rechtsnormen, sondern mit dem Eingeständnis der eigenen Grenzen des Einflusses, gepaart mit einer sichtbaren Trauer um die Opfer.

Die Ereignisse von Urda und Adamuz sind ein Weckruf. Solange sich Adif und Renfe gegenseitig die Bälle zuspielen, werden die Angehörigen der Opfer weiterhin das Gefühl haben, dass im Zweifel immer der andere Schuld hat. Bis zur Klärung der Unglücksursachen bleibt die bange Frage, ob die nächste Tragödie schon auf den Schienen wartet.

Quellenhinweis: Informationen basierend auf einer Pressemitteilung von Renfe, veröffentlicht über Europa Press am 31. Oktober.


Quelle: europapress.es

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