
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Angst im Sprechzimmer: Drei Attacken in sieben Tagen
Die Geduld der Helfer ist am Ende
Es ist ein Alarmsignal, das man nicht länger als Einzelfall abtun kann: Drei Mal innerhalb einer einzigen Woche sind Ärzte und Pfleger in der Provinz Sevilla zur Zielscheibe von Gewalt geworden. Der Sindicato Médico de Sevilla spricht offen von einer „inakzeptablen Eskalation“ – und fordert vom andalusischen Gesundheitsdienst nicht weniger als den sofortigen Schutz seiner Mitarbeiter.
Wenn die Praxis zum Tatort wird
Besonders drastisch war der Vorfall in San Juan de Aznalfarache. In der Nacht zum 25. Oktober stürmte ein etwa 35-jähriger Mann das Gesundheitszentrum Nuestra Señora de la Paz. Mit im Gepäck: Klingen. Eine Ärztin und ein Pfleger konnten sich nur durch eine Flucht in ein Behandlungszimmer vor dem Angreifer retten. Sicherheitspersonal? Fehlanzeige. Der Mann konnte ungehindert umherirren.
Nur einen Tag später, in Dos Hermanas, geriet eine Allgemeinmedizinerin in die Mühlen eines Patienten, der nicht einsehen wollte, dass Ultraschalluntersuchungen vorab terminiert werden müssen. Statt sachlich zu diskutieren, eskalierte der Mann: Er schrie, beleidigte die Ärztin aufs Übelste und machte aggressive Bewegungen. Am Ende trat er gegen Stühle und riss die Tür auf. Die Ärztin, die zunächst weiterarbeitete, musste später wegen eines akuten Angstzustands selbst behandelt werden.
Und dann der Fall in Villamanrique de la Condesa: Ein Patient verlangte außerhalb der Öffnungszeiten Methadon. Als ihm dies verwehrt wurde, bedrohte er drei Angestellte so massiv, dass diese sich im Zentrum einschließen mussten – bis die Guardia Civil eintraf.
Ein System, das versagt?
Der Ärzteverband stellt eine unbequeme Frage: Wie lange soll es noch dauern, bis die Behörden handeln? Es reicht nicht, die Vorfälle zu bedauern und auf die Justiz zu verweisen. Wer will, dass Ärzte Verantwortung übernehmen, muss ihnen auch Sicherheit bieten. Der Verband fordert daher nicht weniger als eine Kehrtwende in der Sicherheitsarchitektur der Kliniken: mehr Präsenz von Wachpersonal, klare Handlungsanweisungen für Bedrohungslagen und eine bessere Ausbildung im Umgang mit aggressiven Patienten. Rafael Gómez, Vizechef der Sektion Sevilla, bringt es auf den Punkt: „Keine Meinungsverschiedenheit über eine medizinische Entscheidung, keine Forderung nach einer Behandlung und kein persönliches Problem rechtfertigen Drohungen oder tätliche Angriffe auf Menschen, die sich um unsere Gesundheit kümmern.“
Die Gewerkschaft hat am Freitag in Villamanrique und San Juan de Aznalfarache protestiert. Es war ein Zeichen der Solidarität – aber auch ein Weckruf an eine Politik, die bisher zu oft weggesehen hat. Die Frage ist nicht, ob es wieder passiert. Die Frage ist, wann und ob dann endlich gehandelt wird. Wie das Sindicato Médico de Sevilla in einer Pressemitteilung betonte, dürfe Angst nicht zum Alltag im Gesundheitswesen gehören.
Quelle: europapress.es