AVE passierte haarscharf den gestoppten Iryo

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Málaga

AVE passierte haarscharf den gestoppten Iryo

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Beinahe-Unfall als Vorbote?

Die Chronologie des schweren Bahnunglücks von Urda wird immer brisanter. Wie die Plattform Tren Tracker anhand von GPS-Daten rekonstruiert hat, rauschte der AVE aus Málaga nur zehn Minuten vor der tödlichen Kollision in entgegengesetzter Richtung am späteren Unfallzug des Betreibers Iryo vorbei – mit einem Abstand von nur wenigen Metern. Diese Erkenntnis stellt die Frage in den Raum, warum ein derart riskantes Szenario überhaupt möglich war.

Die Minuten vor dem Unglück

Die von der Webseite ausgewerteten Signale zeichnen ein dramatisches Bild. Um 8:30 Uhr raste der Zug aus der andalusischen Provinzhauptstadt mit rund 255 Kilometern pro Stunde in Richtung Madrid, während der spätere Unglückszug ebenfalls mit hohem Tempo unterwegs war. Eine Minute später, um 8:31 Uhr, fiel das Sicherungssystem LZB aus – alle Züge im betroffenen Abschnitt kamen zum Stehen. Fünf Minuten später, so die Darstellung, erteilte das Kontrollzentrum dem Madrider AVE die Erlaubnis zur Weiterfahrt – ohne jede Geschwindigkeitsbegrenzung. Dies geschah, obwohl der Iryo noch immer an derselben Stelle stand, an der sich später die Katastrophe ereignete.

Der Zug aus Málaga stoppte derweil in unmittelbarer Nähe des Iryo. Um 8:43 Uhr erhielt auch er die Freigabe und beschleunigte erneut – die beiden AVE-Züge kreuzten sich schließlich um 8:47 Uhr. Während die Rekonstruktion zeigt, dass der Iryo noch immer keine Bewegung machte, meldete dessen Lokführerin um 8:48 Uhr technische Startprobleme an die Leitstelle von ADIF. Diese Information verpuffte offenbar wirkungslos.

Ein Systemversagen mit Ansage?

Die entscheidende Frage lautet: Warum wurde einem Zug die Weiterfahrt gestattet, während sich nur wenige Kilometer entfernt ein liegengebliebener Konvoi befand? Die GPS-Daten belegen, dass der Unglückszug eine Minute vor der Kollision noch mit 188 km/h unterwegs war – bei einem Streckenabschnitt, der offenbar als gestört galt. Die Behörden müssen nun klären, ob die menschlichen Entscheidungen im Kontrollzentrum oder die Technik selbst versagt haben.

Die bloße Existenz solcher Daten widerlegt jegliche Darstellung eines unvermeidbaren Zufalls. Es war keine Naturgewalt, die hier zuschlug, sondern eine Kette aus Freigaben, Unterlassungen und offenbar ignorierten Warnsignalen. Wer jetzt noch von einem schicksalhaften Einzelfall spricht, verkennt die Systematik: Drei Züge waren betroffen, zwei durften weiterfahren, einer blieb zurück – und genau dieser wurde zum Opfer einer verhängnisvollen Fehleinschätzung.

Ungelöste Fragen

Die Untersuchung muss nun lückenlos aufklären, welche Anweisungen konkret erteilt wurden und warum die Meldung der festsitzenden Lokführerin nicht zu einer sofortigen Sperrung des Gleises führte. Die GPS-Aufzeichnungen liefern zwar keine finale Ursache, aber sie belegen eines zweifelsfrei: Die Sicherheitsprotokolle haben an diesem Morgen kläglich versagt. Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen nicht erneut in einer Kultur des Beschönigens und Verdrängens agieren – die Angehörigen der Opfer haben mehr verdient als ausweichende Formulierungen.

Die Plattform Tren Tracker hat mit ihrer Auswertung einen wichtigen Beitrag zur Wahrheitsfindung geleistet – mehr als manche offizielle Stelle bislang bereit war zuzugeben. Nun liegt es an den Ermittlern, die Lücke zwischen technischer Möglichkeit und menschlichem Versagen zu schließen. Die Zeit der Ausreden ist vorbei.


Quelle: axarquiaplus.es

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