Justiz fordert Kontrolldaten nach Zugunglück

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Córdoba

Justiz fordert Kontrolldaten nach Zugunglück

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Das Zugunglück von Adamuz bleibt ein Fall für die Justiz

Die juristische Aufarbeitung des schwersten Bahnunglücks in Spanien seit Jahrzehnten nimmt an Fahrt auf. Die Richterin, die in Montoro (Córdoba) die Ermittlungen zu dem tödlichen Zusammenstoß bei Adamuz leitet, hat die Guardia Civil nun eindringlich aufgefordert, Beweismaterial sicherzustellen. Konkret geht es um Videoaufzeichnungen, die bei der technischen Überprüfung anderer Züge entstanden sind.

Die Bilder stammen aus einer Inspektion im Februar, bei der die Radlaufflächen von Zügen untersucht wurden, die zuvor auf derselben Strecke unterwegs waren. Die Richterin will diese Aufnahmen „so schnell wie möglich“ in den Akten haben und hat die zuständige Polizeieinheit damit beauftragt, das Material von der Transportbehörde Aitat anzufordern. Die Behörde hatte die Aufzeichnungen bei einem Besuch im Instandhaltungswerk Santa Catalina gemacht.

Adif muss seine Experten offenlegen

Neben der Beweissicherung sorgt ein weiteres Detail für Zündstoff: Die Richterin hat den staatlichen Infrastrukturbetreiber Adif erneut aufgefordert, seine Sachverständigen zu benennen. Zuvor war aufgefallen, dass die von Adif gemeldeten Experten nicht mit den ursprünglich angekündigten Namen übereinstimmen. Einige Fachleute tauchen in späteren Schreiben nicht mehr auf, andere sind neu hinzugekommen. Die Richterin verlangt nun Klarheit darüber, wer das Unternehmen vor Gericht vertreten soll.

Der Vorwurf wiegt schwer: Adif hatte in der Vergangenheit bereits für Verstimmung gesorgt. So musste sich das Unternehmen im März von der Richterin anweisen lassen, keinerlei Wartungsarbeiten an der Unglücksstelle ohne richterliche Genehmigung durchzuführen. Zuvor war bekannt geworden, dass Adif-Mitarbeiter nur vier Tage nach dem Unglück Material von der Unfallstelle entfernt und Untersuchungen durchgeführt hatten – ohne die Justiz zu informieren.

Streit um Wartungsarbeiten und Zeugenaussagen

Aktuell sorgt ein neuer Antrag von Adif für Diskussionen: Das Unternehmen möchte Wartungsarbeiten an der Gleisstrecke durchführen lassen. Die Arbeiten wären zwar mehr als einen Kilometer von der Unglücksstelle entfernt, doch die Richterin will sichergehen, dass keine Spuren vernichtet werden. Sie hat die Gerichtsgutachter nun aufgefordert, innerhalb von drei Tagen zu bewerten, ob die geplanten Arbeiten die Ermittlungen beeinträchtigen könnten.

Die Vorsicht der Richterin ist verständlich. Schließlich hatte Adif bereits im März angekündigt, ein 36 Meter langes Schienenstück auszutauschen – in der Nähe des Unglücksbereichs. Das alte Material wollte das Unternehmen zwar einlagern, doch die Justiz ließ sich darauf nicht ein und untersagte die Aktion.

Keine Einmischung in technische Details

Einem Antrag der Partei Vox und einer Opfervereinigung, eine Ermittlerin der Aitat als Zeugin zu vernehmen, hat die Richterin eine Absage erteilt. Sie begründet dies damit, dass die Dokumentation zu Schweißnähten an den Gleisen bereits vorliege und die technische Untersuchung der Aitat unabhängig von der strafrechtlichen Aufarbeitung zu sehen sei. Es gehe hier schließlich um fahrlässige Tötung und Körperverletzung, nicht um Urkundenfälschung.

Die Justiz verfolgt damit eine klare Linie: Die technischen Details sollen von Gutachtern geprüft werden, während sich das Gericht auf die strafrechtliche Verantwortung konzentriert. Ein Vorgehen, das angesichts der Komplexität des Falles notwendig erscheint, aber auch Kritikern Raum gibt, die mehr Transparenz fordern. Der Fall Adamuz wird Spanien noch lange beschäftigen – und die Ermittler müssen beweisen, dass sie die richtigen Prioritäten setzen.

Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, hat die Richterin die beschlagnahmten Fotos der Aitat-Ermittlerinnen bereits zu den Akten genommen. Die Bilder dokumentieren den Zustand des verunglückten Iryo-Zuges und die Suche nach den Fahrtenschreibern des Alvia. Die Aufarbeitung des Unglücks, bei dem 46 Menschen starben und über 120 verletzt wurden, geht damit in die nächste Runde – mit einem klaren Fokus auf die technische Aufklärung. Ob die neuen Beweismittel jedoch zu einer Verschärfung der Ermittlungen führen, bleibt abzuwarten. Die Richterin hat zumindest deutlich gemacht, dass sie keine ungebetenen Eingriffe in die Beweissicherung dulden wird.


Quelle: europapress.es

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