Veraltete Computer lösten Zugunglück aus

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Kastilien-La Mancha

Veraltete Computer lösten Zugunglück aus

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Relikt aus der Anfangszeit des Hochgeschwindigkeitsverkehrs

Die Ursache des verheerenden Zugunglücks auf der Strecke Madrid–Sevilla liegt in einem technischen Defekt, der schon lange vorher absehbar war. Wie das Ministerium mitteilte, fiel am Mittwochmorgen um 8:30 Uhr das Signalsystem LZB an der Station Urda aus. Auslöser war der Kommunikationsfehler von drei Computern, die noch aus der Anfangszeit der spanischen Hochgeschwindigkeitsstrecken stammen.

Das LZB-System wurde 1992 zusammen mit der ersten AVE-Linie zwischen Madrid und Sevilla in Betrieb genommen. Während Bahnexperten betonen, dass das Sicherheitssystem selbst technisch gleichwertig mit dem neueren Standard ERTMS ist, gilt das für die unterstützende Hardware nicht. Die Rechner sind über 35 Jahre alt, wie mehrere Quellen übereinstimmend berichten.

Verpasste Frist für die Modernisierung

Besonders brisant ist die zeitliche Komponente. Bereits im September 2021 hatte der Infrastrukturbetreiber Adif einen Vertrag über 94 Millionen Euro vergeben, um die komplette Strecke zu modernisieren. Das Projekt umfasste neben der Gleiserneuerung auch die Umstellung von LZB auf ERTMS und den Austausch der veralteten Computersysteme. Die Frist dafür lief zwischen Dezember 2025 und Januar 2026 ab – der Zeitpunkt, zu dem die Technik hätte ersetzt sein müssen.

Der Präsident des Ingenieursverbandes, César Franco, bestätigt: "Es ist ein System, das hätte bereits ersetzt werden müssen." Er weist jedoch darauf hin, dass alternde Technik nicht automatisch unsicher ist, solange sie ordentlich gewartet wird. Auch Gewerkschaftsvertreter verteidigen das LZB-System als "das sicherste", das es gebe.

Kritik an der Schuldzuweisung

Obwohl der Minister den Vorfall als "nicht ungewöhnlich" bezeichnete, offenbart das Unglück ein grundsätzliches Problem. Wie bereits nach dem Unfall von Adamuz im Januar gefordert, müsste mehr in die Instandhaltung bestehender Infrastruktur investiert werden. Verkehrsminister Óscar Puente bezifferte den jährlichen Bedarf für die Bahnerhaltung selbst auf 1,8 Milliarden Euro – eine Summe, die nach Ansicht von Experten deutlich erhöht werden müsste.

Kritik kommt jedoch auch an der Darstellung der Ereigniskette. Während Puente den "menschlichen Fehler" eines Fahrdienstleiters als unmittelbare Ursache nannte, warnen Gewerkschaften davor, die Verantwortung allein auf den Einzelnen abzuwälzen. Die Entscheidung, dem AVE nach dem Systemausfall die Weiterfahrt in "normaler Betriebsweise" zu erlauben, sei ein strukturelles Problem – das System dürfe nicht vollständig auf menschliches Handeln angewiesen sein.

Wie das Nachrichtenportal 20minutos.es berichtet, ereignete sich der Zusammenstoß etwa 25 Kilometer nach der Station Urda, als der Renfe-Zug auf den dort wartenden Iryo-Zug auffuhr. Die Bilanz: 68 Tote und 50 Verletzte, ein Unglück, das Fragen nach Prioritäten in der Verkehrsinfrastruktur aufwirft.


Quelle: 20minutos.es

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