
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Guardia Civil verhört Adif-Mitarbeiter nach Zugunglück
Verantwortlicher im Visier der Ermittler
Nach dem folgenschweren Zusammenstoß zweier Züge bei Urda in der Provinz Toledo hat die spanische Guardia Civil den diensthabenden Mitarbeiter des Adif-Kontrollzentrums vernommen. Der Operateur war zum Zeitpunkt des Unglücks für die Überwachung des Zugverkehrs auf der Schnellfahrstrecke Madrid–Sevilla verantwortlich, wie mit der Sache vertraute Kreise berichten. Die Befragung erfolgt im Rahmen der offiziellen Untersuchung, die von der staatlichen Kommission für Eisenbahnunfälle (CIAF) geleitet wird. Die Beamten der Guardia Civil unterstützen die technischen Experten der Kommission dabei, den genauen Hergang zu rekonstruieren.
Unfassbare Entscheidung im Kontrollraum
Das Unglück ereignete sich am Morgen, als ein AVE der staatlichen Bahngesellschaft Renfe auf einen haltenden Zug des Privatanbieters Iryo auffuhr. Erste Erkenntnisse deuten auf eine fatale Fehlentscheidung im Kontrollzentrum in Madrid-Atocha hin: Dort soll die Anweisung erteilt worden sein, den AVE wieder anfahren zu lassen, obwohl das Sicherheitssystem ein rotes Warnsignal anzeigte und meldete, dass der vordere Zug die Strecke noch blockierte.
Transportminister Óscar Puente zeigte sich bei einem Besuch im Kontrollzentrum fassungslos über diese Entscheidung. Vor laufenden Kameras bezeichnete er das Vorgehen als "unerklärlich". Der Minister bestätigte, dass die Person, die die Freigabe erteilt hat, identifiziert werden konnte und sich nun den Konsequenzen der laufenden Ermittlungen stellen muss. Direkten Kontakt habe es noch nicht gegeben – angesichts der Schwere des Vorfalls und der möglichen strafrechtlichen Verantwortung, so Puente. Bei dem Unglück kamen nach aktuellen Angaben mindestens 64 Menschen ums Leben.
Hintergrund: Der Unfall bei Urda wirft erneut ein Schlaglicht auf die Sicherheitsprotokolle im spanischen Hochgeschwindigkeitsnetz. Das europäische Zugbeeinflussungssystem ERTMS soll eigentlich derartige Kollisionen durch automatische Bremsungen verhindern. Kritiker bemängeln jedoch seit Jahren, dass in bestimmten Situationen zu viel Spielraum für manuelle Eingriffe des Personals bestehe. Die vollständige Aufklärung des Unglücks durch die CIAF könnte daher weitreichende Konsequenzen für die Betriebsabläufe haben.
Wie Europa Press berichtet, konzentrieren sich die Ermittlungen derzeit auf die Kommunikation zwischen dem Kontrollzentrum und den beteiligten Zugführern in den Minuten vor der Kollision.
Quelle: europapress.es