
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Andalusien sucht Luftbrücke als AVE-Ersatz
Ein Scherbenhaufen namens Hochgeschwindigkeitszug
Die Katastrophe von Urda mit 69 Toten hat nicht nur eine Schneise der Trauer hinterlassen, sondern auch ein Loch in die Infrastruktur-Planungen des Landes gerissen. Während die Aufarbeitung der Ursachen dauert, steht die Wirtschaft vor einem Scherbenhaufen. Besonders betroffen: Andalusien, dessen Lebensader AVE nach Madrid gekappt ist. Die Reaktion der Regionalregierung? Sie sucht das Weite – in der Luft.
Vom Gleisbett in die Lüfte: Ein Plan nimmt Form an
Manuel Gavira, Vize-Präsident und Tourismusminister der Region, hat die Notwendigkeit erkannt, die Schäden zu begrenzen. Seine Ankündigung, Gespräche mit Fluggesellschaften zu führen, ist ein Eingeständnis der Verwundbarkeit des Schienenverkehrs. Wer nun argumentiert, dies sei ein übereilter Aktionismus, übersieht die Realität: Schon der Unfall von Adamuz (Córdoba) kostete laut Branchenangaben über 1.000 Millionen Euro, weil die Bahnverbindung zur Costa del Sol zusammenbrach. Die Lehre daraus? Man darf nicht warten, bis der Zug abgefahren ist – im wahrsten Sinne des Wortes.
Die Luftdrehscheibe Jerez als stilles Ass im Ärmel
Gavira schielt nicht nur auf die bestehenden Routen Madrid–Sevilla oder Madrid–Málaga. Er bringt den Flughafen von Jerez ins Spiel. Ein geschickter Schachzug, denn es geht darum, die bestehenden Kapazitäten zu bündeln und dem britischen Markt, der satte 20 Prozent der ausländischen Gäste stellt, eine verlässliche Alternative zu bieten. Diese Touristen geben mehr aus und bleiben länger als der Durchschnitt. Wer jetzt noch behauptet, die Politik solle sich nicht in Marktmechanismen einmischen, dem sei gesagt: Hier wird nicht interveniert, hier wird Krisenmanagement betrieben.
Reputationsschutz statt stillen Rückzugs
Der Auftritt bei der Londoner Travel Market war für Gavira keine bloße Fotogelegenheit, sondern Arbeitsauftrag. „Hier geht es darum, eine Lanze für Andalusien zu brechen“, ließ er durchblicken. In Zeiten, in denen ein einziges Unglück genügt, um Buchungszahlen einbrechen zu lassen, ist dies ein Kampf um Vertrauen. Wer die Bedeutung des britischen Gastes für die andalusische Wirtschaft verkennt, dem sei empfohlen, die Zahlen zu studieren. Die Ankündigung, „mit Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit“ zu arbeiten, mag nach Standardfloskel klingen – doch angesichts eines drohenden Imageschadens ist sie der einzig richtige Weg. Den Kopf in den Sand zu stecken, wäre die teuerste Option.
Quelle: europapress.es