
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Anklage: Dana Leonte starb als Frau
Anklage sieht Feminzid
Vor dem Schwurgericht in Málaga hat der Prozess um den Tod der jungen Rumänin Dana Leonte begonnen. Die andalusische Staatsanwältin für Gewalt gegen Frauen, Flor de Torres, stellte am Dienstag klar: „Dies ist kein gewöhnlicher Totschlag.“ Dana Leonte sei getötet worden, „weil sie eine Frau war“. De Torres appellierte an die Laienrichter, mit „gesundem Menschenverstand“ zu urteilen und die Erinnerung an das Opfer wiederherzustellen.
Angeklagt ist Sergios, damals Partner des Opfers. Er muss sich wegen eines Tötungsdelikts mit den Strafverschärfungsgründen der Geschlechterdiskriminierung und des verwandtschaftlichen Verhältnisses verantworten. Zudem wirft ihm die Anklage einen Angriff auf die seelische Unversehrtheit vor. Die Staatsanwaltschaft fordert 17 Jahre Haft. Die Nebenklage der Familie geht von Mord aus und verlangt 20 Jahre. Die Regionalregierung Andalusiens, die als Volksklage auftritt, plädiert sogar auf 22 Jahre.
Gewaltsamer Tod im Juni 2019
Die Tat liegt mehr als sechs Jahre zurück. Am 12. Juni 2019 hatte Dana Leonte ihrem Partner per Telefon mitgeteilt, dass sie die Beziehung beenden wolle. Noch in derselben Nacht soll Sergios sie laut Anklage „mit einem Holzstock“ niedergeschlagen haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er sie danach zerstückelte und ihre Überreste an verschiedenen Orten vergrub. Erst drei Monate später wurden erste Knochenteile zufällig entdeckt. Der Schädel fehlt bis heute, was die genaue Todesursache ungeklärt lässt – für die Anklage aber kein Hindernis darstellt. Zehn Knochenfragmente sowie DNA-Spuren auf einem Baseballschläger, der als Tatwaffe gilt, stützen den Vorwurf.
Indizien und angebliche Manipulation
Die Staatsanwältin verwies außerdem auf sprachwissenschaftliche Gutachten. Demnach soll der Beschuldigte nach der Tat über das Handy der Toten Nachrichten verschickt haben, um Ermittlungen in eine falsche Richtung zu lenken. Auch die Geolokalisierungsdaten der Telefone wertet die Anklage als belastend. Zudem fanden Ermittler in der Wohnung des Paares starke Spuren von Bleichmittel – ein Hinweis darauf, dass biologische Beweismittel beseitigt werden sollten. Für De Torres ist das ein weiteres Indiz dafür, dass der Angeklagte versuchte, die Justiz zu täuschen.
Die Nebenklägeranwältin Antonia Barba ergänzte, die Tat sei „besonders heimtückisch“ gewesen. Der Angeklagte habe die Angstzustände seiner Partnerin ausgenutzt, die kurz zuvor Opfer eines Einbruchs geworden war. Zudem spreche man von einer „häuslichen Heimtücke“: Wer mit dem Opfer zusammenlebe, könne leichter dessen Misstrauen ausschalten. Barba betonte, Sergios habe versucht, sich ein Alibi zu verschaffen – das belege eine geplante Tat.
Verteidigung kontert
Die Verteidigung wies die Vorwürfe entschieden zurück. Anwalt Juanjo Moreno forderte die Geschworenen auf, sich nur auf die im Prozess präsentierten Beweise zu verlassen und nicht auf die Erzählungen der Anklage. Diese würden die Wahrheit verschleiern. „Sie hatten einen Verdächtigen und haben ihm einen maßgeschneiderten Anzug verpasst“, sagte Moreno und sprach von zahlreichen Fehlern in den Ermittlungen. Der Angeklagte selbst, der sich auf freiem Fuß befindet, erklärte bei seiner Ankunft am Gericht: „Ich bin ruhig und will, dass das endlich vorbei ist, damit ich meine Unschuld beweisen kann.“
Seine Aussage wird allerdings erst am Ende der Beweisaufnahme erwartet, nicht wie ursprünglich geplant zum Auftakt. Das Verfahren ist bis zum 13. November angesetzt. Am Mittwoch soll der Bruder des Opfers aussagen. Florín zeigte sich vor dem Saal zurückhaltend: Man hoffe auf Gerechtigkeit, sagte er, „sieben Jahre sind eine sehr lange Zeit“.
Wie Europa Press berichtet, hat die Staatsanwaltschaft ihre Forderung auf die besondere Schutzbedürftigkeit des Opfers gestützt und auf die hohe Zahl von Femiziden in Spanien verwiesen.
Quelle: europapress.es