Austeritätspakt für saubere Straßen

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Vélez-Málaga

Austeritätspakt für saubere Straßen

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Ein Signal, das unter die Haut geht

Während anderswo in Spanien Kommunalpolitiker um ihre Privilegien kämpfen, schlägt der neue Bürgermeister von Vélez-Málaga einen radikal anderen Ton an. Jesús María Claros will nicht nur reden, er handelt. Sein Plan: 15 Prozent weniger Gehalt für alle Stadträte und Mitarbeiter des Rathauses – und das gesparte Geld fließt direkt in die dreckigste Ecke des Alltagslebens: die Straßenreinigung. Rund 400.000 Euro pro Jahr sollen so zusammenkommen. Ein Novum in einer Zeit, in der Bürger politische Selbstbedienung längst satt haben.

Der Beweis, dass es anders geht

Die Stoßrichtung ist klar: Schluss mit dem Reflex, bei kommunalen Problemen sofort neue Steuern oder Gebühren zu erfinden. Stattdessen wird dort gespart, wo es wehtut – bei den eigenen Bezügen. Die Rechnung ist simpel und überzeugt: Weniger Geld für die Politik, mehr Sauberkeit für die Bürger. Claros geht sogar noch weiter: Er verzichtet komplett auf sein eigenes Bürgermeister-Gehalt. Freiwillig. Das sind keine leeren Versprechen, sondern ein handfester Beweis, dass kommunale Verantwortung nicht am eigenen Portemonnaie endet.

Man mag einwenden, dass dieser Schritt nur Symbolpolitik sei, dass 400.000 Euro im Haushalt eines Gemeindebezirks wie Vélez-Málaga kaum ins Gewicht fallen. Doch dieser Einwand verfängt nicht. Denn es geht um mehr als die bloße Summe. Es geht um das Signal: Wer öffentliche Gelder verwaltet, hat zuallererst die Pflicht, mit ihnen sparsam umzugehen. Und wer der Bevölkerung sagt, dass kein Geld für Investitionen da ist, der sollte zuerst den eigenen Gürtel enger schnallen – nicht den der Bürger.

Von der Ankündigung zur Umsetzung

Interessant ist auch die Vorgeschichte: Eigentlich wollte Claros diese Maßnahmen schon im Rahmen seiner Amtseinführung vorstellen. Das tragische Zugunglück in Toledo, bei dem mehrere Menschen ums Leben kamen, durchkreuzte jedoch den Plan. Aus Respekt vor den Opfern verschob er die Ankündigung. Auch das ist eine Haltung, die man in der Politik nicht alle Tage sieht.

Nun liegt die Entscheidung beim Plenum. Die Abstimmung über die dringliche Motion soll noch heute erfolgen. Die geplanten Einsparungen betreffen nicht nur die Regierungsmitglieder, sondern auch die Oppositionsvertreter und die sogenannten Eventualkräfte – also jene Mitarbeiter, die politische Posten innehaben. Wer also dachte, dass die Ankündigung nur heiße Luft sei, wird eines Besseren belehrt: Der Bürgermeister nimmt alle in die Pflicht, auch diejenigen, die nicht auf seiner Seite stehen.

Der Knackpunkt liegt freilich in der Umsetzung: Die Investitionen in die Reinigung – neue Kehrmaschinen, mehr Personal, intensivere Reinigungszyklen in den Ortskernen – müssen durch die bürokratischen Mühlen der Verwaltung. Doch der politische Wille ist unmissverständlich. In einer Region, in der Tourismus und Lebensqualität untrennbar miteinander verbunden sind, ist ein sauberes Ortsbild kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung.

Wie das spanische Nachrichtenportal "Axarquía Plus" berichtet, geht es Claros nicht um kosmetische Korrekturen, sondern um eine strukturelle Neuausrichtung: weniger Geld für politische Posten, mehr Geld für Leistungen, die die Bürger direkt spüren. Sollte dieses Modell in Vélez-Málaga aufgehen, könnte es schnell Schule machen. Die Nachbargemeinden an der Costa del Sol werden die Entwicklung mit Spannung verfolgen – und der Druck auf andere Rathäuser wächst. Denn wenn ein Bürgermeister ohne Gehalt regieren kann, welche Ausrede haben dann die anderen?


Quelle: axarquiaplus.es

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