
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Generalstreik trotz Urda-Tragödie: Gewerkschaften kontern Feijóo
Ein „Nein“ zur politischen Instrumentalisierung
Der Ton ist gesetzt, die Fronten sind klar: Die Generalstreik-Kundgebungen in Andalusien lassen sich nicht durch einen tragischen Unglücksfall aushebeln. Nach dem schweren Eisenbahnunfall in Urda (Toledo) hatte PP-Chef Alberto Núñez Feijóo die Gewerkschaften aufgefordert, ihre Mobilisierung zu überdenken. Eine Zumutung, wie UGT-Landeschef Oskar Martín nun bei einer Versammlung in Málaga deutlich machte: Nicht die Arbeitnehmervertreter müssten ihre Haltung überdenken, sondern der Populärpartei-Politiker selbst solle seine „Politik und sein Handeln gegenüber den arbeitenden Menschen“ hinterfragen.
Ein Streik gegen die Kostenlawine
Die Gewerkschaftsspitzen ließen keinen Zweifel daran, dass der Ausstand am 11. November unter dem Motto „Que la vivienda no se coma tu salario“ (Die Wohnung soll nicht deinen Lohn auffressen) mehr denn je notwendig ist. CCOO-Landeschefin Nuria López geißelte die wirtschaftliche Schieflage: Während die sechs größten Banken des Landes Milliardengewinne einstreichen, bleibe den Beschäftigten das Nachsehen. „Die Unternehmen fassen uns in die Tasche – jeden Tag, an der Tankstelle, an der Supermarktkasse und bei der Miete“, kritisierte López. Diese Schieflage sei kein Naturgesetz, sondern Ergebnis einer verfehlten Wirtschaftspolitik.
Lohnraub durch Inflation und Blockade
Martín prangerte die Lohnentwicklung als „Geiselnahme“ an. Eine galoppierende Inflation in Kombination mit der Weigerung der Arbeitgeberverbände (CEOE), Tarifverhandlungen voranzutreiben, führe zu einem massiven Kaufkraftverlust. Besonders für junge Menschen habe dies fatale Folgen: Die Jugendarbeitslosigkeit und der Mangel an bezahlbarem Wohnraum zwinge sie in die Prekarität oder gar ins Ausland. Es sei ein Skandal, dass trotz Vollbeschäftigung immer mehr Menschen nicht mehr in der Lage seien, ihre Grundausgaben zu decken.
Hundert Tote als Weckruf
Ein weiterer zentraler Streikpunkt ist die Arbeitssicherheit. Martín nannte die Zahl von hundert tödlichen Arbeitsunfällen in Andalusien in diesem Jahr „unerträglich“ und forderte drastische Konsequenzen. Die Tragödie von Urda – auch wenn sie sich im Bahnverkehr ereignete – zeige die Systemschwäche im Umgang mit Sicherheitsrisiken. Die Gewerkschaften verlangen eine lückenlose Aufklärung des Unglücks und eine konsequente Durchsetzung von Präventionsmaßnahmen, statt nach jedem Vorfall nur Anteilnahme zu bekunden.
Der gesellschaftliche Funkenschlag
Die Botschaft aus Málaga ist unmissverständlich: Die Geduld der Arbeitnehmerschaft sei erschöpft. Martín sprach von einem „wachsenden sozialen Unmut“, der sich in einer kollektiven Antwort am 11. November entladen werde. Die Gewerkschaften sehen sich als Anwalt einer Gesellschaft, die sich ein Ende der Umverteilung von unten nach oben wünscht. Der Vorwurf Feijóos, der Streik sei ein Fehler, verhallt vor diesem Hintergrund als realitätsferne Provokation. Es gehe nicht gegen einzelne Personen, so Martín, sondern für ein faires und soziales Modell – in Andalusien und ganz Spanien.
Wie die Europa Press berichtet, haben die Gewerkschaftsführer ihre Ankündigungen bei einer gemeinsamen Versammlung an der Universität Málaga bekräftigt.
Quelle: europapress.es