
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Nach Urda: Weniger Züge auf Madrid-Sevilla
Konsequenzen nach dem Unfall
Das Zugunglück von Urda hat direkte Auswirkungen auf den Fahrplan der wichtigsten spanischen Hochgeschwindigkeitsstrecken. Das Ministerkabinett hat beschlossen, die Zahl der täglichen Verbindungen auf der Linie Madrid–Sevilla zu reduzieren. Diese Maßnahme gilt ab der geplanten Wiedereröffnung der Strecke bis voraussichtlich Anfang 2027, wie Verkehrsminister Óscar Puente nach der Ministerratssitzung am Dienstag mitteilte.
Der Schritt ist eine Reaktion auf den schweren Unfall der vergangenen Woche, bei dem im Bahnhof von Urda ein Zug in einen anderen fuhr. Es war bereits der zweite schwere Zwischenfall auf dieser Strecke innerhalb von neun Monaten, beide stehen im Zusammenhang mit umfangreichen Modernisierungsarbeiten.
Sicherheitsmaßnahmen im Detail
Die Regierung reagiert mit einem Acht-Punkte-Plan. Zentral sind dabei der Abschluss der Installation des neuen Zugsicherungssystems ERTMS 2 sowie eine erneute, aktualisierte Prüfung durch die staatliche Eisenbahnsicherheitsagentur AESF. Erst danach soll der Betrieb auf dem normalen Niveau wieder aufgenommen werden.
Wie Puente erläuterte, bedeutet die Reduzierung der Frequenzen konkret: Statt alle sieben Minuten wird auf der Strecke voraussichtlich nur noch alle 15 Minuten ein Zug verkehren. Um die wegfallenden Kapazitäten zu kompensieren, setzt das Ministerium auf Doppelkompositionen, also Züge mit doppelter Wagenzahl, wie sie bereits zu Stoßzeiten üblich sind.
Debatte um Madrid–Barcelona
Im Zusammenhang mit den geplanten Renovierungsarbeiten auf der stark frequentierten Strecke Madrid–Barcelona sorgte Puente zunächst für Verwirrung. Vergangene Woche hatte er angedeutet, den Verkehr während der Bauarbeiten – ähnlich dem Modell in Deutschland – komplett einzustellen. Diese Idee stieß bei katalanischen Unternehmern und Regionalpräsident Salvador Illa auf deutlichen Widerspruch.
Am Dienstag ruderte der Minister teilweise zurück. Er habe sich am Wochenende intensiv mit den Argumenten auseinandergesetzt und neige nun dazu, den Zugbetrieb und die Bauarbeiten parallel laufen zu lassen. Eine endgültige Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen, betonte Puente. Man werde alle Beteiligten anhören, darunter Regionen, Fahrgastvertreter und Techniker.
Ein Blick nach Deutschland habe gezeigt, dass eine Vollsperrung nicht zwingend die bessere Lösung sei. Die Erfahrungen mit der Strecke Berlin–Hamburg, die für ein Jahr geschlossen wurde und nach der Wiedereröffnung mit erheblichen Problemen kämpfte, hätten Zweifel an diesem Ansatz geweckt. Die Bauarbeiten auf der Linie Madrid–Barcelona sollen planmäßig im kommenden Jahr beginnen, die Ausschreibungen für die benötigten Komponenten, wie etwa neue Schwellen für Geschwindigkeiten bis 350 km/h, laufen bereits.
Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, betonte Puente, dass die Reduzierung der Frequenzen auf der Südstrecke eine "prudente Maßnahme" sei, um das Vertrauen der Fahrgäste zurückzugewinnen. Er wies jedoch darauf hin, dass das spanische Schienennetz grundsätzlich noch Aufnahmekapazitäten für weitere Züge biete.
Quelle: 20minutos.es