Polizei räumt Protestcamp auf der Puerta del Sol

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Polizei räumt Protestcamp auf der Puerta del Sol

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Nächtlicher Großeinsatz beendet Protestcamp

In den frühen Morgenstunden des 3. November hat ein Großaufgebot der spanischen Polizei das Protestcamp auf der Puerta del Sol in Madrid geräumt. Wie die stellvertretende Bürgermeisterin und Sicherheitsdezernentin Inma Sanz bei einer Pressekonferenz mitteilte, waren an dem Einsatz rund 220 Beamte der Nationalpolizei sowie 180 Kräfte der Kommunalpolizei beteiligt. Unterstützt wurde die Aktion durch Feuerwehr, Rettungsdienste und städtische Reinigungstrupps.

Sichergestellte Gegenstände und Abfallbilanz

Bei der Räumung stellten die Einsatzkräfte nach Angaben der Stadtverwaltung neben Drogen auch eine Reihe gefährlicher Gegenstände sicher. Dazu gehörten Messer, Teleskopschlagstöcke, Reizgassprays, Beutel mit Pflastersteinen sowie mehrere selbstgebaute Waffen wie Stachelstöcke. Die Bilanz der Hinterlassenschaften ist beachtlich: Insgesamt 36 Tonnen Schutt und Materialien, darunter zahlreiche Zelte, wurden von der Fläche abtransportiert. Wie Sanz betonte, liegt diese Menge um 88 Prozent über dem Abfallaufkommen, das beim 15-M-Protestcamp im Jahr 2011 angefallen war.

Versorgung und medizinische Betreuung

Der Sozialdienst Samur Social kümmerte sich während und nach der Räumung um vier Personen. Wie die Stadt mitteilte, wurde eine Person wegen einer diabetesbedingten Erkrankung in ein Krankenhaus gebracht. Drei weitere Menschen nehmen nach Angaben der Behörden derzeit Unterstützungsangebote des Sozialdienstes in Anspruch.

Schäden an historischen Denkmälern

Die Stadtverwaltung hat damit begonnen, die Schäden an den denkmalgeschützten Objekten auf dem Platz zu erfassen. Ersten Einschätzungen zufolge ist die Basis der Reiterstatue von König Karl III. am schwersten beschädigt. Auch die Skulpturen der Mariblanca und des Bären mit dem Erdbeerbaum weisen laut Stadtverwaltung Schäden auf.

Wirtschaftliche Folgen und juristische Schritte

Inma Sanz machte deutlich, dass die Stadt die entstandenen Kosten nicht allein tragen werde: „Dieses Rathaus wird versuchen, jeden Euro zurückzuholen, den wir für die Wiederherstellung des Platzes ausgeben müssen", erklärte sie. Die Verantwortlichen sollten für die Kosten aufkommen. Der Einzelhandel in der Umgebung beziffert seine Verluste eigenen Angaben zufolge auf über 30 Millionen Euro.

Darüber hinaus kündigte Sanz an, dass die Stadt rechtliche Schritte gegen den ehemaligen Regierungsdelegierten Francisco Martín prüfe. Ihm werde Untätigkeit und Pflichtverletzung vorgeworfen. Sanz äußerte sich auch zum Zeitpunkt der Räumung: Sie habe am vergangenen Donnerstag mit der neuen Regierungsdelegierten gesprochen, die Einsatzkräfte hätten den günstigsten Moment für das Vorgehen gewählt.

Weihnachtsbaum kommt mit Verzögerung

Trotz der Räumungsarbeiten sollen die Weihnachtsfeiertage in der Hauptstadt planmäßig stattfinden. Wie Sanz ankündigte, werde der traditionelle Weihnachtsbaum auf der Puerta del Sol aufgestellt, wenn auch mit einigen Tagen Verzögerung. Das Aufstellen erfordere den Einsatz von Kränen, daher dauere die Installation einige Tage. Die Stadt sehe keinen Anlass für einen Alternativort: „Unsere Puerta del Sol ist absolut unersetzlich", so die Dezernentin. Die Beleuchtungszeremonie ist für den 21. November vorgesehen. Die Räumung war unter anderem mit Sicherheitsbedenken für die bevorstehende Weihnachtssaison begründet worden.

Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, endete die erste Phase des Polizeieinsatzes gegen 4 Uhr morgens. Insgesamt wurden im Rahmen der Aktion 334 Personen identifiziert.


Quelle: europapress.es

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