Campact in Sevilla trotzt Räumungsdruck

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Sevilla

Campact in Sevilla trotzt Räumungsdruck

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Symbol des Widerstands wackelt nicht

Während in Madrid die Zelte der Bewegung am Samstagmorgen „sorpresiva y violentamente“ niedergerissen wurden, zeigt man sich in Andalusien kämpferisch. Die Aktivisten an den Setas de la Encarnación in Sevilla lassen sich von den jüngsten Ereignissen nicht einschüchtern – im Gegenteil. Sie rufen nun offen zur Mobilisierung auf, um eine mögliche Räumung ihres Protestcamps zu verhindern und den Druck bis zum Generalstreik am 11. November aufrechtzuerhalten.

Die Taktik der leeren Plätze

Die Botschaft der Camp-Bewohner ist klar: Wer Zeit hat, soll kommen – ob für den Abend, die Nacht oder einfach nur für ein paar Stunden. Es geht darum, Präsenz zu zeigen und ein Bild der Stärke zu vermitteln. „Wir müssen den medialen Hype um die Räumung in Madrid nutzen, um sozialen Projekten der Stadt eine Bühne zu geben“, heißt es in dem Aufruf, der über soziale Netzwerke verbreitet wurde. Die Strategie ist offensichtlich: Ein voller Platz ist schwerer zu räumen als ein verwaister.

Ein Bürgermeister auf Konfrontationskurs

Doch die Fronten sind verhärtet. Sevillas konservativer Bürgermeister José Luis Sanz hat die Forderungen der Demonstranten als „große Lüge“ bezeichnet und gleichzeitig seine Unterstützung für eine Räumung angeboten. Sogar die Spezialeinheit GAR und die örtliche Polizei sollen bereitstehen, um die Fläche für den Aufbau der Weihnachtsbeleuchtung freizumachen. Eine bemerkenswerte Prioritätensetzung, die die Frage aufwirft: Sind Lichterketten wirklich wichtiger als bezahlbarer Wohnraum? Die Subdelegation der Zentralregierung in Sevilla hält sich derweil bedeckt – offiziell „gibt es keine Neuigkeiten“ bezüglich eines Räumungstermins. Wie europapress berichtet, bleibt die Lage also angespannt, aber ungewiss.

Ein Weckruf für die Wohnungspolitik

Die Ereignisse in Madrid und Sevilla sind mehr als nur lokale Auseinandersetzungen. Sie sind ein Fieberthermometer für ein gesellschaftliches Problem, das längst nicht mehr zu ignorieren ist. Während die Politik über die Legalität von Protestcamps debattiert, suchen tausende Menschen verzweifelt nach einer bezahlbaren Bleibe. Die Taktik der Räumungen mag kurzfristig für saubere Plätze sorgen – das Problem dahinter wird damit jedoch nicht gelöst, sondern nur auf die Straße verlagert. Der Kampf um die Wohnungsfrage geht weiter, ob mit oder ohne Zelte an der Encarnación.


Quelle: europapress.es

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