Murcia-Forscher revolutionieren Medikamenten-Design

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Murcia

Murcia-Forscher revolutionieren Medikamenten-Design

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Schluss mit teuren Umwegen in der Wirkstoff-Forschung

Die Pharmaindustrie steht vor einem Dilemma: Vielversprechende Moleküle scheitern oft daran, dass sie im Körper zu schnell abgebaut werden oder ihre Struktur nicht optimal ist. Die Korrektur dieser Schwachstellen gleicht bislang einer Punktlandung mit angezogener Handbremse – aufwendig, kostspielig und alles andere als ressourcenschonend. Ein Forschungsteam der Universität Murcia (UMU) hat nun einen Hebel gefunden, der diese komplexen Umbauarbeiten radikal vereinfacht.

Die Innovation: Licht, Eisen und eine direkte Transformation

Im Zentrum der Entdeckung steht eine chemische Reaktion, die so in keinem Lehrbuch steht. Die Arbeitsgruppe „Fotokatalyse und Synthetische Methodik“ um Professor Francisco Juliá-Hernández hat eine Technologie entwickelt, die es ermöglicht, Carbonsäuren – eine der häufigsten Stoffklassen in der Chemie – direkt in hochwertige Borverbindungen umzuwandeln. Der Clou: Als Katalysator dient Eisen, ein Metall, das billig, in Hülle und Fülle verfügbar und obendrein ungiftig ist. Angetrieben wird die Reaktion schlicht durch sichtbares Licht.

Dieser Schritt ist revolutionär, weil er auf ein paar entscheidende Zwischenetappen verzichtet, die bisher unumgänglich waren. Was früher als mehrstufiger Prozess mit empfindlichen und teuren Reagenzien ablief, passiert nun in einem direkten, schnellen und deutlich nachhaltigeren Verfahren.

Warum Borverbindungen den Unterschied machen

Borhaltige Moleküle sind in der modernen Pharmaforschung unverzichtbar. Durch den gezielten Austausch einer Carbonsäuregruppe gegen eine Boronsäuregruppe lassen sich die Eigenschaften eines Medikaments grundlegend verändern: seine Aktivität, seine Stabilität und sein Verhalten im menschlichen Organismus.

Die wahre Genialität der Murcia-Methode liegt jedoch in ihrer Anwendbarkeit auf bereits existierende, komplexe Arzneistoffe. Wie die Universität mitteilt, konnte das Team die Technik erfolgreich an bekannten Medikamenten wie den Entzündungshemmern Oxaprozin und Fenbufen sowie dem Chemotherapeutikum Chlorambucil erproben. Auch Steroide und Naturstoffe ließen sich gezielt modifizieren. Statt Medikamente von Null zu synthetisieren, können Forscher nun direkt an den fertigen Strukturen „herumdoktern“ und so neue Kandidaten erschaffen.

Ein Werkzeug gegen den vorzeitigen Wirkstoffverlust

Die Implikationen sind enorm. Die neue Methode erlaubt es, die metabolische Stabilität von Medikamenten gezielt zu erhöhen. Konkret bedeutet das: Die Leber baut den Wirkstoff nicht mehr ab, bevor er seine therapeutische Wirkung entfalten kann. Darüber hinaus zeigt die Forschung, dass simple und günstige Ausgangsstoffe wie Essigsäure in hochwertige Reagenzien verwandelt werden können – ein Paradigmenwechsel in der Ressourcenökonomie der Chemie.

Juliá-Hernández bringt es auf den Punkt: „Wir stellen der Wissenschaft ein neues Werkzeug zur Verfügung, um die Medikamente von morgen zu entwerfen.“ Die Fachwelt scheint das Potenzial sofort erkannt zu haben: Die Veröffentlichung im renommierten Journal of the American Chemical Society (JACS), an der auch Paula Visiedo-Jiménez, Quentin Ordan und Sarah-Jayne Burlingham beteiligt waren, wurde innerhalb einer Woche über 10.000 Mal heruntergeladen – ein Wert, der das übliche Niveau um das Zehnfache übersteigt.

Finanziert wurde die Grundlagenforschung von der Staatlichen Forschungsagentur und der Fundación Séneca aus Murcia. Es ist ein triumphaler Beweis dafür, dass Spaniens Universitäten auch im globalen Wettlauf um die Pharmazie der Zukunft ganz vorne mitspielen. Basierend auf einem Bericht von Europa Press.


Quelle: europapress.es

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