
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Mondragon: Werben um die Krone
Es ist ein Bild, das in Zeiten von Werksschließungen und industriellem Niedergang in Europa wie eine Provokation wirken muss: Ein König, ein Ministerpräsident und eine Ministern aus Madrid reisen ins tiefste Baskenland, um sich von einem Unternehmensverbund erklären zu lassen, wie Wirtschaft funktioniert. Die Visite von Felipe VI. beim Mondragon-Konglomerat am Dienstag war mehr als nur ein protokollarischer Termin. Es war die späte offizielle Anerkennung eines Erfolgsmodells, das beweist, dass Kapital nicht anonym sein muss, um Rendite abzuwerfen.
Ein Gegenentwurf zum Kapitalismus?
Während die klassische Industrie in weiten Teilen Südeuropas ums Überleben kämpft, präsentiert sich Mondragon als Bollwerk der Stabilität. Der Besuch begann im Torre Otalora, der Kaderschmiede des Verbunds, wo Führungskräfte nicht in Ellenbogenmentalität, sondern in kooperativen Werten geschult werden. Pello Rodríguez, der Präsident von Mondragon, nutzte die Gelegenheit, um dem hohen Besuch die strategischen Linien für die kommenden Jahre zu erläutern. Die Kernbotschaft war dabei eindeutig: Arbeitsplätze mit Zukunft brauchen keine Subventionen, sondern Partizipation. Das Modell der Genossenschaften, so die Botschaft, verbinde internationale Wettbewerbsfähigkeit mit sozialer Verantwortung – eine Formel, die in der Theorie viele predigen, in der Praxis aber kaum einer so konsequent umsetzt wie die Basken.
Der Blick in die Fabrikhalle
Nach dem Theorieteil im Schloss folgte die Praxis im Industriegebiet. In Oñati besichtigte der Monarch die Anlagen von Onnera Group, einem weltweit agierenden Spezialisten für Profi-Wäschereitechnik. Hier zeigt sich, was den Unterschied zu den oft zitierten Billiglohn-Standorten ausmacht. In der neuen Produktionsstätte werden nicht einfache Maschinen zusammengebaut, sondern hochkomplexe, digitalisierte Systeme entwickelt, die in Krankenhäusern und der Hotellerie auf fünf Kontinenten im Einsatz sind. Die Internationalisierung ist für die Gruppe kein Selbstzweck, sondern die logische Konsequenz aus dem Anspruch, durch Innovation und Spezialisierung die Lohnkosten in Deutschland, Frankreich oder den USA zu rechtfertigen.
Kritiker mögen einwenden, dass die Kooperative längst kein Hort der Gleichheit mehr ist, sondern ein milliardenschwerer Konzern mit globalen Lieferketten. Doch genau diese Entwicklung ist das eigentliche Verdienst. Es ist der Beweis, dass Arbeitnehmerbeteiligung kein Hemmschuh für Wachstum sein muss, sondern im Gegenteil ein Motor für Produktivität sein kann. Wer die Zukunft der europäischen Industrie diskutiert, kommt an Modellen wie dem von Mondragon nicht vorbei. Es ist bezeichnend, dass ausgerechnet Madrid und das Königshaus nun die Reise ins Baskenland antreten, um sich dieser Realität zu versichern. Die Herausforderungen – vom Fachkräftemangel bis zur Energiewende – sind gewaltig. Aber der Besuch sendet ein Signal: Die Zukunft der Arbeit wird nicht in den Konzernzentralen der Großstädte entschieden, sondern dort, wo Menschen bereit sind, Verantwortung für ihre eigene Firma zu übernehmen.
Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtete, diente der Termin auch dazu, den Einsatz der Genossenschaften für mehr Technologie und Digitalisierung zu würdigen. Ein Schritt, der in Anbetracht der aktuellen wirtschaftlichen Fliehkräfte durchaus als strategisch klug gelten darf.
Quelle: europapress.es