Die Wut der jungen Gewalttäter

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Bilbao

Die Wut der jungen Gewalttäter

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Ein Weckruf für die baskische Gesellschaft

Die Bilder brannten sich ein: Vermummte Jugendliche, brennende Container, Attacken auf Polizisten – Bilbao erlebte am Montag Szenen, die man längst für überwunden gehalten hatte. Nun stellt sich die unbequeme Frage: Was ist schiefgelaufen in einem Land, das so stolz auf seinen Friedensprozess ist?

Imanol Pradales, der Lehendakari des Baskenlandes, fand am Dienstag deutliche Worte für das Unfassbare. Fast zwanzig Festgenommene, die Hälfte davon minderjährig, über fünfzig Identifizierte – und das alles nur, weil ein als Provokateur bekannter Aktivist angekündigt war, der letztlich gar nicht erschien. Eine inszenierte Gewaltorgie ohne eigentlichen Anlass.

Die Kultur der Gewalt als Altlast

Pradales' Analyse geht tief. Er spricht von einer „Kultur der Gewalt", die bestimmte Kollektive bis heute nicht überwunden hätten. Das ist ein Tabubruch in einem Land, das seit Jahren den Mythos der gelungenen Versöhnung pflegt. Zwar habe man in der Koexistenz große Fortschritte gemacht, räumt er ein – doch die fundamentale Ablehnung von Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung sei bei manchen Gruppen nie wirklich angekommen.

Wer die aktuellen Ereignisse in einen größeren Kontext stellt, erkennt ein besorgniserregendes Muster. In Frankreich wackelt die Republik unter dem Ansturm des Rechtspopulismus, in ganz Europa erstarken agitatorische Bewegungen. Das Baskenland, so Pradales, sei davor nicht gefeit.

Banalisierung statt Ächtung

Besonders alarmierend ist seine Beobachtung zur Jugend: „Was ist nur los in diesem Land, dass so junge Menschen zu solcher Gewalt fähig sind?", fragte der Regierungschef bei einem Forum in Tolosa. Seine Antwort fällt unbequem aus: Fußball, soziale Medien, Freizeitangebote – überall werde Gewalt zum Spektakel verharmlost. Wer mit der Polizei aneinandergerät, gelte mancherorts gar als Freizeitvergnügen.

Diese Entwicklung sei „intolerabel und inakzeptabel", wetterte Pradales. Doch er macht nicht nur die Jugend verantwortlich. Er verweist auf fehlende Vorbilder in Familien, Schulen und öffentlichen Räumen. Seine Botschaft an die Elterngeneration ist unmissverständlich: Auch die eigenen Kinder müssten sich fragen lassen, welche Werte sie vermittelt bekommen haben.

Politik am Scheideweg

Pradales' Warnung kommt nicht von ungefähr. Vor dem Hintergrund der anstehenden Parlamentswahl am 29. November sieht er schwierige Zeiten auf das Land zukommen. Seine Prognose: Eine Koalition aus PP und Vox würde die baskische Identität frontal angreifen. Das Baskenland stehe vor einem „kritischen Moment", geprägt von Polarisierung und mangelndem Respekt im politischen Diskurs.

Die Gewalt in Bilbao sei dabei kein Einzelfall, sondern Teil einer besorgniserregenden Entwicklung. Mit Blick auf einen angekündigten Generalstreik und eine aufgeheizte Stimmung warnt der Lehendakari vor einer weiteren Eskalation – und appelliert an die Vernunft einer Gesellschaft, die glaubte, das Kapitel Gewalt längst geschlossen zu haben.

Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, sieht Pradales in den Krawallen eine „organisierte Aktion", bei der die Täter die Gewalt gezielt provoziert hätten. Seine Forderung nach Konsequenzen und einer gründlichen Aufarbeitung bleibt die einzig vernünftige Antwort auf ein Phänomen, das das Baskenland in eine ungewisse Zukunft blicken lässt.


Quelle: europapress.es

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