Bilbaos Kreuzfahrtboom: 45 Millionen Euro

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Bilbao

Bilbaos Kreuzfahrtboom: 45 Millionen Euro

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Ein Hafen, der die Kritiker Lügen straft

Während in Barcelona und Mallorca längst laute Proteste gegen den Massentourismus toben und Städte wie Venedig über Abgaben für Tagesgäste streiten, schlägt das Baskenland einen anderen Ton an. Mit beeindruckenden Zahlen kontert der Hafen von Bilbao alle Unkenrufe über die angebliche Schädlichkeit der Kreuzfahrtindustrie. Die Bilanz der abgelaufenen Saison, die Ende Oktober endete, ist ein klares Statement: 104 Kreuzfahrtschiffe legten in Getxo an – neun mehr als im Vorjahr. Rund 233.236 Passagiere kamen an Bord, ein Plus von stolzen 29 Prozent.

Doch es ist nicht allein die schiere Menge, die hier verblüfft. Die Hafenbehörde zeigt, wie man Wachstum und Nachhaltigkeit versöhnt. Während anderswo über Overtourism geklagt wird, betont die Behörde, dass Bilbao dank der neuen Rekordzahlen weiterhin ein „Destination ohne Sättigungserscheinungen" sei. Man mag darüber streiten, ob dies eine verwegene These ist, doch die Zahlen geben der Behörde zunächst recht: Mit dem Ausbau der Landstromversorgung, die Ende 2027 in Betrieb gehen soll, setzt der Hafen zudem auf die umweltpolitische Karte – ein entscheidender Schachzug, um die Branche zukunftsfähig zu machen.

Der ökonomische Hebel: Mehr als nur ein Hauch von Wechselgeld

Wer nun glaubt, die Ankunft Tausender Touristen sei lediglich ein logistischer Akt, unterschätzt die Bedeutung für die lokale Wirtschaft. Die Rechnung der Hafenbehörde, gestützt auf die Methodik der staatlichen Hafenbehörde Puertos del Estado, ist bemerkenswert: Jeder Kreuzfahrer gibt demnach im Schnitt 146 Euro aus – vom Restaurantbesuch über den Einkaufsbummel bis hin zur Museumsvisite. So summiert sich der finanzielle Effekt auf rund 34 Millionen Euro für die Region.

Doch die Milchmädchenrechnung hört hier nicht auf. Die Crews, die ebenfalls von Bord gehen, um die Stadt zu erkunden, kommen als nicht zu unterschätzender Faktor hinzu. Weitere elf Millionen Euro – und schon ist der Gesamteffekt bei etwa 45 Millionen Euro angekommen. Diese Zahl, so argumentieren die Verantwortlichen, sei sogar konservativ geschätzt. Denn die Passagiere, die ihren Kreuzfahrturlaub in Bilbao beginnen oder beenden oder gar eine Nacht im Hafen verbringen, geben sogar ein Vielfaches aus.

Ein Marathonläufer im Wettbewerb der Häfen

Dass der Hafen reagieren kann, ist kein Zufall. Die Behörde verweist auf die „große Vielseitigkeit" der Infrastruktur: Schiffe von 104 bis 344 Metern Länge wurden abgefertigt, zuweilen drei gleichzeitig an einem Tag. Dass 31 Reedereien den Hafen ansteuern, darunter elf zum ersten Mal, spricht für die Attraktivität dieser Route im Norden Spaniens.

Mit dem Europa 2 von Hapag-Lloyd oder der Nautica von Oceania Cruises haben sogar Kreuzfahrtschiffe erstmals im Hafen von Getxo ihren Ausgangs- oder Zielpunkt genommen – ein Qualitätssprung über die reine Transitstation hinaus. Der Fokus liegt längst darauf, Bilbao nicht nur als Austragungsort, sondern als Startpunkt für Luxusreisen zu etablieren. Eine Strategie, die aufgeht: Rund die Hälfte der Passagiere kommt aus Großbritannien, gefolgt von US-Amerikanern und Deutschen – einer Klientel, die bekanntlich das Geld mit dem großen „K" schreibt.

Die Kernbotschaft der Verantwortlichen ist klar. Diese Entwicklung sei das Ergebnis eines eingespielten Teams aus Lotsen, Festmachern und Hafenarbeitern, die in einem „Wettlauf gegen die Zeit" die schnelle Abfertigung garantieren. Eine Argumentation, die zwar ins Leere läuft, wenn man die tatsächliche Verweildauer eines Schiffs im Hafen bedenkt, die aber politisch gewollt ist: Wachstum wird nicht als Bedrohung, sondern als Verdienst verstanden.

Während also die einen über Verbote nachdenken, denkt Bilbao längst über die vierte oder fünfte Anlegestelle nach. Der eingeschlagene Weg ist konsequent, die Zahlen untermauern das Selbstbewusstsein der baskischen Hafenstrategen. Zuletzt zog die Behörde eine stolze Bilanz: In fünf Jahren kamen rund 800.000 Kreuzfahrtpassagiere in die Region – und gaben dabei fast 120 Millionen Euro aus. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die nächste Saison die nächsten Rekorde brechen wird. Die Weichen dafür sind gestellt.

Quellen: Europapress, Puertos del Estado, Autoridad Portuaria de Bilbao


Quelle: europapress.es

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