
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
76 Migranten in vier Booten gestoppt
Die Balearen als Dauerbrenner der Migration
Wieder einmal zeigt sich: Die spanischen Mittelmeerinseln sind und bleiben ein Sehnsuchtsziel – auch für jene, die ihr Leben riskieren, um es zu erreichen. Gleich vier Schlauchboote mit 76 Menschen an Bord hat die Guardia Civil an nur einem einzigen Dienstagmorgen aus dem Verkehr gezogen. Wer jetzt noch von Einzelfällen spricht, verkennt die Lage.
Ein Morgen voller Einsätze
Der erste Fund gelang den Beamten um kurz nach vier Uhr morgens. Auf einem Feldweg auf Formentera stießen sie auf 29 Menschen maghrebinischer Herkunft. Es sollte nicht der letzte Einsatz bleiben. Nur wenige Stunden später, gegen sieben Uhr, folgte der nächste Fund: erneut auf Formentera, erneut Menschen aus Nordafrika – diesmal 13. Nicht einmal eine Stunde später, um 7.45 Uhr, wurden die Beamten erneut fündig. 11 weitere Personen waren an derselben Stelle an Land gegangen.
Während sich diese Einsätze an der Küste abspielten, meldete sich kurz vor zehn Uhr die Seenotrettung. Auf hoher See, rund sechs Seemeilen vor Porto Colom im Osten Mallorcas, trieb ein weiteres Boot. An Bord: 23 Menschen subsaharischer Herkunft, die von Rettungskräften aus dem Wasser beziehungsweise von der See geholt werden mussten.
Eine Frage der Perspektive
Die Behörden sprechen von erfolgreichen Abfangeinsätzen. Die Guardia Civil und Salvamento Marítimo hätten schnell und professionell gehandelt – das ist zweifellos richtig. Doch die Zahlen erzählen eine andere, unbequemere Geschichte: Vier Boote in kaum sechs Stunden. 76 Menschen, die es bis auf die Inseln geschafft haben – oder zumindest bis in deren Hoheitsgewässer.
Kritiker der aktuellen Migrationspolitik werden erneut darauf hinweisen, dass diese Einsätze nur die Spitze des Eisbergs seien. Die Routen über das Mittelmeer bleiben trotz aller Kontrollen offenbar attraktiv genug, dass sich Menschen in großer Zahl in seeuntaugliche Schlauchboote setzen. Die Politik redet von Bekämpfung der Ursachen, die Realität an den Küsten der Balearen sieht derweil so aus wie an diesem Dienstag.
Die Delegación del Gobierno bestätigte die Vorfälle auf Anfrage und verwies auf die laufenden Ermittlungen. Wie die Agentur Europa Press berichtet, wurden alle 76 Personen nach ihrer Ankunft registriert und in die entsprechenden Aufnahmeeinrichtungen überstellt. Ob sie dort bleiben oder weitergeschickt werden, entscheidet sich in den kommenden Tagen – nach spanischem Recht und europäischen Abkommen, deren Wirksamkeit an Tagen wie diesen mehr als fragwürdig erscheint.
Quelle: europapress.es