
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Unter Druck: Aktivistinnen ziehen vor Gericht
Ein Geständnis unter Generalverdacht
Der Fall schlägt hohe Wellen: Zwei junge Aktivistinnen, die verdächtigt werden, im Juli fünf Immobilienbüros in Santa Maria auf Mallorca verwüstet zu haben, ziehen nun vor Gericht – nicht um zu gestehen, sondern um Anklage zu erheben. Ihre Botschaft ist eindeutig: Nicht sie gehören auf die Anklagebank, sondern die Beamten der Guardia Civil, die sie bei ihrer Festnahme massiv unter Druck gesetzt haben sollen.
Vorwürfe mit Sprengkraft
Vor dem Instanzgericht in Palma haben die beiden Beschuldigten am Dienstag ausgesagt, dass ihnen die Polizei in der Nacht des 15. Juli keine Wahl gelassen habe. Die Beamten hätten sie nicht nur genötigt, Kleidung für Beweiszwecke herauszugeben, sondern auch mit Hausdurchsuchungen und einer Verlängerung der Haft gedroht, falls sie nicht kooperieren würden. Besonders brisant: Der Kontakt zu ihrem Anwalt soll nicht direkt erfolgt sein – vielmehr habe man ihnen ein Telefon mit Freisprecheinrichtung in die Hand gedrückt, während die Beamten im Raum standen und jedes Wort mitgehört haben.
Für Anwalt Josep de Luis ist der Fall glasklar: „Hier wurden elementare Grundrechte mit Füßen getreten." Er kündigte an, die polizeilichen Maßnahmen für nichtig erklären zu lassen. Selbst die Videoaufnahmen der Überwachungskameras, die als Beweismittel dienen sollen, könnten angefochten werden – denn sie filmten nicht nur die Fassaden der Immobilienbüros, sondern große Teile der öffentlichen Straße, was datenschutzrechtlich mehr als fragwürdig ist.
Wer hat hier Angst vor der Wahrheit?
Die Strategie der Verteidigung ist offensichtlich: Wenn die Justiz die Vorwürfe gegen die Behörden ernst nimmt, könnte das gesamte Verfahren kippen. Doch so berechtigt die Empörung über mögliche Polizeiübergriffe auch sein mag – man sollte nicht vergessen, dass es hier um mutmaßliche Sachbeschädigung und Angriffe auf historisches Erbe geht, nicht um einen harmlosen Protest. Die Aktivistinnen haben sich offenbar in eine Ecke manövriert, aus der sie nun mit juristischen Mitteln auszubrechen versuchen.
Die eigentliche Frage lautet: Geht es ihnen um Gerechtigkeit oder um Ablenkung? Wenn die Vorwürfe stimmen, wäre das ein Skandal. Wenn nicht, wäre es ein perfider Versuch, die Ermittlungen zu sabotieren. Eines ist sicher: Der Fall wird noch für reichlich Gesprächsstoff sorgen – und das zurecht.
Wie Europa Press berichtet, wurden die beiden Frauen zunächst auf freien Fuß gesetzt, nachdem sie von ihrem Schweigerecht Gebrauch gemacht hatten.
Quelle: europapress.es